TV-Berichterstattung aus Libyen Das Rennen nach Tripolis

Die Reporterin Alex Crawford schaffte es als erste Journalistin nach Tripolis, als sich die Ereignisse dort überschlugen. Ihr Plan war gewagt, doch er ging auf. Die vierfache Mutter ließ auch das deutsche Fernsehen hinter sich und erntet nun den Ruhm.

Von Janek Schmidt

Die Nacht war über Nordafrika hereingebrochen, und Alex Crawford hatte ihren Schutzhelm tief in die Stirn gezogen. Über das gesamte Wochenende hatten sich Berichte verdichtet, wonach die libyschen Rebellen in Richtung der Hauptstadt Tripolis vorstießen. Dort saßen mehr als 30 westliche Journalisten im Hotel Rixos, in dem das Regime Reporter unterbringt.

Die Reporterin Alex Crawford sendete für Sky News die ersten Live-Bilder des Rebellenvormarsches aus Tripolis.

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Doch hatten Aufpasser der Behörden dort den Ausgang versperrt und verhinderten somit Berichte über den Rebellenvormarsch. Das hatte Crawford vorausgesehen und daher einen Umweg gewählt. Ihr Plan war riskant. Doch er ging auf, und so sendete Crawford Sonntagnacht für den britischen Sender Sky News die ersten Live-Bilder des Rebellenvorstoßes aus Tripolis - und erntet seitdem Lob ihrer gesamten Zunft.

Für ihren Umweg in die Hauptstadt nutzte Crawford aus, dass sie bereits im März die Küstenstadt Zawiya, 50 Kilometer westlich von Tripolis, besucht hatte. Seitdem pflegte sie Kontakte zu einigen Aufständischen und reiste am Samstag erneut dorthin, als sich abzeichnete, dass die Rebellen im Westen am schnellsten vorrücken würden. Am Folgetag legte sie dann eine schusssichere Weste und einen Helm an, stieg mit ihrem Produzenten und zwei Kameramännern auf einen Geländewagen der Rebellen und reihte sich ein in den Konvoi nach Tripolis.

Um Bilder von der historischen Fahrt direkt nach London zu schicken, kombinierte Crawford alte und neue Technologien. Einer der zwei Kameramänner hatte sein Laptop mit einer kleinen tragbaren Satellitenschüssel verbunden. Diese war an den Zigarettenanzünder des Geländewagens angeschlossen, um die Stromversorgung während der Fahrt zu sichern. "Unser Produzent Andy Marsh musste die Sende-Geräte vorsichtig ausrichten", berichtet Crawford später.

Dafür verwendete er einen Kompass, mit dem er die Satellitenschüssel in kurvigen Abschnitten der Straße in die beste Senderichtung aussteuerte. So sendete Sky News am Sonntag über mehrere Stunden als erster live aus Tripolis - während die Zuschauer der deutschen Kanälen vergeblich auf ähnliche Bilder warteten.