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TV aus Hollywood:Nerven aus Gold

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Science-Fiction-Serie in der Oscar-Liga: Extant mit Halle Berry (Foto) als Astronautin Molly Woods wird von Steven Spielberg produziert.

(Foto: CBS)

Robin Williams, Matthew McConaughey und Halle Berry: Populäre Kinostars nehmen inzwischen gern Serienrollen an. Wenn US-Sender Hollywood-Größen jedoch nur als Galionsfiguren verpflichten, ist das ein Wagnis.

Die Menschen in Hollywood, das ist an dieser Stelle gut zu wissen, befinden sich in einem permanenten Gemütszustand der Aufregung. Sie sind excited über Filme, das Wetter, Grünkohlsalat. Wahrscheinlich wären sie auch aufgeregt, wenn man ihnen die Uhrzeit mitteilt. Aufgeregt sein klingt nach Geschenke auspacken an Weihnachten. Nervös sein dagegen gilt als verpönt in dieser Stadt, weil dabei immer die Angst vor dem Scheitern mitschwingt. Nervosität klingt nach praktischer Führerscheinprüfung.

Es ist deshalb durchaus bemerkenswert, dass die Schauspielerin Halle Berry sagt: "Ich war bei dieser Premiere nervöser als bei jeder anderen in meinem Leben. Ich konnte kaum atmen, es war ein schlimmer Abend für mich." An diesem Abend wurde im California Science Center die erste Folge der Serie Extant gezeigt, die seit dieser Woche auf dem amerikanischen Sender CBS zu sehen ist.

Erfahrungen etablierter Kinodarsteller

Berry spielt darin eine Astronautin, die nach einem einjährigen Aufenthalt im Weltall feststellt, dass sie schwanger ist. "Ich wünsche mir, dass Extant ein großer Erfolg wird", sagte Berry, 47. Ihre Nervosität scheint unbegründet: Da produziert ein Oscar-prämierter Regisseur (Steven Spielberg) eine aufwendige Serie mit einer Oscar-prämierten Schauspielerin (Berry) in der Hauptrolle - was soll dabei schon herauskommen als ein weiteres Nugget im goldenen Zeitalter des Fernsehens?

Die Nervosität Berrys ist womöglich damit zu begründen, dass die Menschen in Hollywood nicht nur gern über ihre Aufregung sprechen, sondern auch beinahe ausschließlich über Erfolge - wie ein Goldschürfer, der bei Erzählungen abends im Saloon die vielen dreckigen Kieselsteine verschweigt, die da neben den Goldstücken im Sieb lagen. Sie berichten lieber über die außerordentlichen Erfahrungen der etablierten Kinodarsteller auf dem kleinen Bildschirm. Von Matthew McConaugheys grandioser Leistung in der noch grandioseren HBO-Serie True Detective etwa, von Kevin Spacey im Netflix-Politthriller House of Cards, von Claire Danes in Homeland.

Emmy Awards Immer wieder "House of Cards"
Nominierungen für die Emmy Awards 2014

Immer wieder "House of Cards"

Auch 2014 ist die Netflix-Serie "House of Cards" wieder einer der Favoriten bei der Verleihung der Prime Time Emmy Awards. Ebenfalls häufig nominiert wird eine vielgelobte Produktion von HBO.

"Es braucht für einen Schauspieler heutzutage keinen Mut mehr, eine Fernsehrolle anzunehmen", behauptet John Landgraf. Der Chef des Senders FX hat kürzlich Denis Leary für die Serie Sex & Drugs & Rock & Roll verpflichtet, zuvor schon Glenn Close ( The Shield und Damages) und Jessica Lange ( American Horror Story).

Zahlreiche Misserfolge

Doch ist das wirklich so? Muss ein etablierter Schauspieler derzeit nur mit dem Finger schnippen, eine Rolle im Fernsehen annehmen - und anschließend sowohl üppige als auch regelmäßige Gehaltsschecks sowie zahlreiche Auszeichnungen entgegennehmen? Nein, so ist es nicht - und es gibt zahlreiche Beispiele für Misserfolge: Vegas (mit Dennis Quaid), Luck (Dustin Hoffman), House of Lies (Don Cheadle), Harry's Law (Kathy Bates), The Michael J. Fox Show (Michael J. Fox).

Prägend für diese Misserfolge ist die Komödie The Crazy Ones, sie verdeutlicht all die Probleme, Risiken und Nebenwirkungen bei der Verpflichtung etablierter Kinostars für Fernsehrollen. Knapp 19 Millionen Menschen wollten die erste Folge sehen, natürlich half die Popularität von Hauptdarsteller Robin Williams bei der Vermarktung der ersten Episoden. Es folgte jedoch ein schreckliches Scheitern, das nicht wie bei einer Kinoproduktion ein Wochenende lang dauerte, sondern über 21 Folgen ging.