Gericht in Istanbul Türkische Journalistin Pelin Ünker zu Haftstrafe verurteilt

Pelin Ünker

(Foto: Pelin SZ International)
  • Der ehemalige türkische Premierminister Binali Yıldırım hatte mit seinen beiden Söhnen gegen die Journalistin geklagt.
  • Ünker hatte 2017 in der Cumhuriyet im Rahmen der Paradise Papers berichtet, dass Yıldırıms Söhnen Anteile an maltesischen Firmen gehören.
  • Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, Ünker will dagegen in Berufung gehen.
Von Hannes Munzinger

Die türkische Investigativjournalistin Pelin Ünker ist zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einem Monat sowie einer Geldstrafe verurteilt worden. Der ehemalige türkische Premierminister Binali Yıldırım hatte mit seinen beiden Söhnen gegen Ünker wegen Beleidigung und der Verletzung von Persönlichkeitsrechten geklagt.

Die Journalistin hatte im November 2017 in der Zeitung Cumhuriyet berichtet, dass den Söhnen Yıldırıms, Erkam und Bülent Yıldırım, Anteile an mehreren maltesischen Firmen gehörten. Ünker stützte ihre Recherchen auf Dokumente aus den sogenannten Paradise Papers, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt worden waren. Die SZ hatte die vertraulichen Unterlagen mit dem Internationalen Netzwerk Investigativer Journalisten (ICIJ) geteilt und dadurch weltweite Recherchen angestoßen.

"Die Paradise Papers wurden in der ganzen Welt verbreitet, nur in der Türkei wurde eine Journalistin dafür vor Gericht gestellt", sagte Pelin Ünker nach der Urteilsverkündung. Sie vermute, dass eine schnelle Entscheidung getroffen werden sollte, weil Binali Yıldırım, der aktuell Parlamentspräsident ist, am 19. März als Bürgermeister von Istanbul zur Wahl steht. "Auf diese Weise können sie sagen, dass sie unschuldig sind", sagte Ünker weiter. Außerdem: "Wir müssen weiter berichten. Sie wollen Journalisten mit Entscheidungen wie dieser zum Schweigen bringen. Aber natürlich machen wir weiter."

Die Entscheidung eines Strafgerichts in Istanbul ist noch nicht rechtskräftig. Ünker sagte der Süddeutschen Zeitung am Mittwochnachmittag, dass sie gegen das Urteil in Berufung gehen werde. Bereits im Jahr 2016 hatte sich die Investigativjournalistin mit Politikern und Wirtschaftsbossen aus dem Umfeld von Staatspräsident Erdoğan angelegt. Darunter auch dessen Schwiegersohn und heutiger Finanzminister Berat Albayrak.

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