Ultrarechte Internetseite "Infowars" Fake News vom Weißen Haus?

Donald Trump bezichtigt Journalisten immer wieder der "Fake News".

(Foto: REUTERS)
  • Das Weiße Haus wird dafür kritisiert, dass es ein Video der ultrarechten Seite Infowars auf Twitter geteilt hat.
  • Das Video zeigt, wie der CNN-Journalist Jim Acosta während einer Pressekonferenz versucht, eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses davon abzuhalten, ihm das Mikrofon wegzunehmen. Das Video ist offenbar verfälschend bearbeitet worden.
  • Der Gründer von Infowars, Alex Jones, ist für hetzerische Videos und Radiobeiträge bekannt. Unternehmen wie Spotify und Apple haben deswegen seine Nutzerkonten gesperrt.
Von Clara Lipkowski

Ein Video, das gerade einmal 15 Sekunden lang ist, hat seit Donnerstag viel Aufregung ausgelöst. Es stammt von der ultrarechten Internetplattform Infowars, die der Journalist und Aktivist Alex Jones betreibt, und wurde von der Sprecherin des Weißen Hauses per Tweet weiterverbreitet.

Darin sieht man die Auseinandersetzung zwischen dem CNN-Journalisten Jim Acosta und einer Mitarbeiterin während einer Pressekonferenz, die versucht, ihm das Mikrofon abzunehmen. An entscheidender Stelle ist das Video offenbar beschleunigt worden. Acostas Versuch, sie mit dem Arm daran zu hindern, wirkt in der schnelleren Aufnahme aggressiver. Heikel ist auch, dass der Ton weggeschnitten wurde. Acostas Entschuldigung für die Berührung, "Pardon me, Ma'am", ist nicht mehr zu hören. Nun ist Jones' Plattform wegen der mutmaßlichen Fälschung in aller Munde.

Der 44-jährige Journalist Alex Jones hat die Internetseite nach eigenen Angaben vor mehr als 20 Jahren gegründet. Jones ist bekannt dafür, in seinen Radiosendungen und Videos krude Verschwörungstheorien zu verbreiten, und macht keinen Halt davor, Hillary Clinton als Vergewaltigerin von Kindern zu diffamieren oder Überlebende einer Schießerei in Parkland im Bundesstaat Florida als "Krisenschauspieler" zu bezeichnen. Donald Trump ist bekennender Fan des Texaners Jones und seiner Arbeit.

Mehrere Medien kritisieren nun das Weiße Haus dafür, gefälschte Informationen von der ultrarechten Internetseite zu übernehmen. Infowars widerspricht. Mitarbeiter Paul Joseph Watson erklärt in einem Video, das auf der Seite hochgeladen wurde, er habe das Video nicht verfälscht, sondern lediglich herangezoomt. Er sieht sich einer Medienkampagne ausgesetzt. Sanders hatte das Video gepostet und damit rechtfertigen wollen, warum Acosta nach der Veranstaltung die Akkreditierung entzogen wurde. Jetzt wird dem Weißen Haus vorgeworfen, damit Fake News in Umlauf gebracht zu haben.

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Mit dem Verbreiten von Unwahrheiten und Verschwörungstheorien ist Alex Jones sehr erfolgreich. Seine Internetseite hat ihn reich gemacht, mit seinen Sendungen erreicht er in den USA ein Millionenpublikum. Die eigentliche Einnahmequelle ist aber laut Recherchen der New York Times nicht die Verbreitung von hetzerischen Nachrichten. Auf infowars.com werden etliche Produkte verkauft, Nahrungsergängungsmittel, aber auch antimikrobielle Zahnbürsten und Ausrüstung, Schutzwesten zum Beispiel. Diese Einnahmequelle sprudelt. 2014 gab Jones an, 20 Millionen Dollar im Jahr mit seiner Internetseite zu verdienen.

Gleichzeitig kritisiert Jones immer wieder, dass man ihn und seine Seite zensieren wolle. Tatsächlich wird in Amerika die Pressefreiheit, die im ersten Zusatzartikel der Verfassung geregelt ist, sehr weit ausgelegt. Im Sommer dieses Jahres reagierten dennoch mehrere Unternehmen, ihnen ging die Hetze zu weit. Youtube, Apple, PayPal und Spotify sperrten Jones' Nutzerkonten. Apple teilte mit, man dulde "keine Hassrede". Twitter zog nach und entfernte seine Nutzerkonten. Alex Jones hatte damals 900 000 Follower, dem Account "Infowars" folgten knapp 430 000 Menschen.

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