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NBC-Journalistin:"Sie sind der Präsident und nicht irgendein verrückter Onkel"

Moderatorin Savannah Guthrie im Gespräch mit US-Präsident Donald Trump

Savannah Guthrie hatte offensichtlich keine Lust, der Eitelkeit des Präsidenten zu schmeicheln.

(Foto: dpa)

Savannah Guthrie hat Donald Trump bei einer Fragestunde mit Wählern ins Kreuzverhör genommen. Wer ist die Moderatorin?

Von Willi Winkler

In der Auseinandersetzung zwischen Donald Trump und Savannah Guthrie am Donnerstag gab es ungewollt einen revolutionären Moment: Die Moderatorin schleuderte dem Präsidenten ein forsches "Me too!" entgegen. Doch an diesem Abend auf NBC ging es gar nicht um sexuelle Belästigung, auch nicht um das Frauenbild des amtierenden Präsidenten, sondern um Unterlagen. Guthrie wollte Trump nur darauf aufmerksam machen, dass auch sie (Me too!) Unterlagen mitgebracht hatte und in der Lage war, seine Behauptungen zu falsifizieren.

Trump musste sich wegen seiner Pandemie-Politik kritisieren lassen und konterte damit, dass einer Studie zufolge angeblich 85 Prozent der Leute, die eine Maske tragen, an Corona erkrankten. Guthrie konnte den Blödsinn sofort widerlegen. Sie ist eine der bekanntesten Fernsehgrößen in den USA. Seit 2011 moderiert sie zusammen mit der Kollegin Hoda Kotb um neun Uhr morgens die Sendung Today bei NBC. Gleichzeitig ist sie die Rechtsexpertin des Senders und hat als solche bereits Donald Trump zu dessen haltloser Beschuldigung befragt, Barack Obama sei gar nicht in den USA geboren.

Die geplante zweite Fernsehdebatte zwischen den Präsidentschafts-Kandidaten Joe Biden und Donald Trump war abgesagt worden, und da der Präsident keine Lust auf ein virtuelles Treffen hatte, kam es zu zwei getrennten Auftritten. Trump freute sich bereits über "eine Stunde kostenlose Sendezeit" bei NBC, dem Sender, der ihn mit seiner Show The Apprentice zur landesweiten Berühmtheit befördert hatte.

Savannah Guthrie hatte aber offensichtlich keine Lust, der Eitelkeit des Präsidenten zu schmeicheln. Die 1971 in Melbourne geborene Journalistin ist in Tucson in Arizona aufgewachsen, sie hatte ein erstes Engagement bei einem Sender in Missouri und kam dann in die Hauptstadt und zum Sender WRC-TV, für den sie über die großen Ereignisse im Jahr 2001 berichtete, den Angriff von al-Qaida und die Anthrax-Bedrohung. Fernsehen war für sie jedoch nicht alles, deshalb beschloss sie, ihr in Tucson begonnenes Jurastudium in Washington fortzusetzen. 2002 schloss sie ihr Studium ab, arbeitete als Prozessanwältin und kehrte zwei Jahre später als Gerichtskorrespondentin bei Court TV zum Fernsehen zurück. Die juristische Ausbildung mit dem Abschluss "magna cum laude" kam der Moderatorin zupass, als sie vorgestern den amerikanischen Präsidenten befragte.

Nach der Wahl 2016 waren die traditionellen Sender ABC, NBC und CBS in einer Art Schockstarre gelegen und hatten die allfällige Kritik am Präsidenten weitgehend den Comedians überlassen. Erst in den letzten Wochen und Monaten des Wahlkampfs wirken sie etwas weniger amtsergeben. Chris Wallace' Moderation der ersten Debatte war deshalb ein Höhepunkt. Savannah Guthrie trat noch entschiedener auf und fragte mit staatsanwaltlicher Schärfe nach.

Trump verließ sich zunächst auf seine bewährte Beschimpfung der Medien als "Fake News", musste aber dann doch zugeben, dass die New York Times nicht falsch berichtet hatte, als sie meldete, dass Trump persönlich für mehr als vierhundert Millionen Dollar Schulden hafte. Allerdings wollte er sich nicht von den Verschwörungstheoretikern von QAnon distanzieren, die zu seinen treuesten Unterstützern gehören. Er hatte sogar einen völlig irren Tweet weitergeleitet, wonach der verhasste Obama statt Osama bin Ladens ein Double habe erschießen lassen. Mit wenig Ehrerbietung ermahnte Guthrie den Dauerwahlkämpfer: "Sie sind der Präsident und nicht irgendein verrückter Onkel, der jeden Schwachsinn retweeten kann."

Nach der Sendung gab es extrem unterschiedliche Reaktionen auf Guthries Befragungsstil. Der Fox-News-Moderator Sean Hannity, ein Trump hündisch ergebener Interviewer, erklärte: "Das war kein Journalismus." Im Internet fasste eine Frau ihr Urteil bündig zusammen: "Manche sagen, sie sei gemein zu Trump gewesen. Heute Abend bekam der gemeinste Mensch der Welt, was er verdient, eine Frau, die ihm gewachsen war."

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es fälschlicherweise, Guthrie hätte 2002 promoviert. Der von ihr erlangte "Juris Doctor" gilt in den USA jedoch als Abschluss des Jurastudiums, entspricht somit nicht einem Dr. jur. an einer deutschen Universität.

© SZ/tyc/khil
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