Trevor Noah in der "Daily Show":Der Krieg gegen den Bullshit geht weiter

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Trevor Noah in der "Daily Show": An komplexe Themen wagt er sich noch nicht: Daily Show-Moderator Trevor Noah.

An komplexe Themen wagt er sich noch nicht: Daily Show-Moderator Trevor Noah.

(Foto: AP)

Trevor Noah debütiert als Nachfolger von Jon Stewart in der "Daily Show" - und macht klar, wo er künftig Akzente setzen will.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Als Trevor Noah in den staubigen Straßen Sowetos aufwuchs, hätte er sich zwei Dinge nicht träumen lassen, erzählt er gleich zu Beginn: Eine Toilette im Haus und ein Job als Gastgeber der Daily Show. "Und jetzt habe ich beides. Und zumindest an eins davon habe ich mich gewöhnt."

Am Montagabend hat die neue Ära der Daily Show begonnen. Nach fast 2600 Folgen mit Jon Stewart thront nun der 31-jährige Noah auf dem Chefsessel der politischen Comedy, auf dem einst sein "politischer Papa" saß.

Oder ist es ein heißer Stuhl, weil ein Job im Schatten von König Stewart doch nicht so angenehm ist? Der Sender Comedy Central hatte sich viele Absagen eingeholt, Stephen Colbert, John Oliver, Amy Poehler, Chris Rock oder Amy Schumer waren nicht verfügbar oder wollten nicht. "Ein Job, den Amerikaner nicht wollen, muss also wieder von einem Immigranten erledigt werden", scherzt Noah.

"Jo(h)n ist weg, und alle vermissen ihn"

Vieles ist gleich geblieben, von der Titelmusik über die Studio-Anmutung bis zum Ablauf: Anfangsmonolog - Korrespondentenschalten - Studiogast (Comedian Kevin Hart) - Videoeinspieler am Ende ("Moment of Zen"). Und dieser erste Abend ist natürlich voller Anspielungen und Meta-Gags. So trifft es sich gut, dass der abdankende republikanische Politiker John Boehner den gleichen Vornamen wie Jon Stewart hat. Im Dialog mit dem Korrespondenten Jordan Klepper variiert Noah das Thema "Jo(h)n ist weg, und alle vermissen ihn". Das ist natürlich ironisch gemeint - zumindest auf den Politiker bezogen. An die komplexen Themen wagt sich Noah noch nicht. "Ich möchte mit etwas Leichtem beginnen ... Syrien!", kündigt er an, um dann einzuschieben "war nur ein Spaß, es ist der Papst". Und sich über den Berichterstattungswahnsinn anlässlich der Franziskus-Visite lustig zu machen.

Allerdings deutet sich bereits an, dass der 31-Jährige einen Aspekt in den Fokus rücken wird, der seine eigene Biografie mit der Amerikas verbindet: Das Verhältnis der unterschiedlichen Rassen. Als Sohn eines Schweizers und einer Südafrikanerin erlebte er die letzten Jahre der Apartheid als Kind hautnah mit; teils bittere Witze darüber, auf welch groteske Weise ethnische Differenzen unser Leben beeinflussen, haben ihn bekannt gemacht. Menschen könnten bald auf dem Mars leben, erzählt er im Dialog mit dem (schwarzen) Korrespondenten Roy Wood Jr. anlässlich der Wasser-Entdeckung dort. "Ein Bruder kann hier nicht mal ein Taxi kriegen - glaubst du, das klappt mit einem Raumschiff?", fragt der ungläubig. Und die Weißen hätten noch nicht einmal entschieden, ob sie ihn mögen, sagt er in Anspielung auf das liberale, weiße Publikum, das einen Großteil von Stewarts Fanbasis ausmachte.

Welche weiteren neuen Akzente Noah setzen kann, ob er ähnlich wie einst Stewart eine klare Haltung zum US-Politikbetrieb entwickelt oder eher der klassischen Stand-up-Schule folgt, die Gag an Gag reiht; ob er der Daily Show vielleicht sogar eine globale Perspektive geben kann - über all diese Fragen wird das Post-Stewart-Publikum noch einige Zeit diskutieren.

Zumindest aber ist klar, dass sich Noah auf der Bühne wohlfühlt und ein jüngeres Publikum ansprechen möchte, das auch mal Zoten über den Penis des Papstes vertragen kann. Der Energielevel ist bereits so hoch wie zu Stewarts besseren Zeiten. Und der Rest? Zumindest gibt der Neue an diesem Abend ein Versprechen ab, an dem er sich künftig messen lassen wird: "Wir setzen den Krieg gegen den Bullshit fort."

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