Trennung von freiem Autor In eigener Sache

Das "Süddeutsche Zeitung Magazin" hat Anfang Februar den Täuschungsversuch eines freien Autors rechtzeitig vor der Veröffentlichung aufgedeckt. Die Zusammenarbeit mit dem Journalisten wurde eingestellt. Auch "Zeit" und "Spiegel" prüfen Beiträge des Autors.

Von Timm Klotzek

Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat Anfang Februar den Täuschungsversuch eines freien Autors aufgedeckt. Der betreffende Text wurde nicht veröffentlicht. Der Redaktion waren die Unstimmigkeiten rechtzeitig aufgefallen. Eine den Text tragende Protagonistin war erfunden. Weil die Chefredaktion des SZ-Magazins das als schwerwiegenden Verstoß gegen die journalistischen Standards erachtet, hat sie die Zusammenarbeit mit dem Journalisten sofort eingestellt. Auch die Süddeutsche Zeitung und SZ.de haben die Zusammenarbeit mit dem Autor beendet.

Der Journalist hat dem SZ-Magazin gegenüber zugegeben, dass die Zweifel an dem Manuskript berechtigt sind. Das SZ- Magazin und die Süddeutsche Zeitung haben die Texte des Journalisten überprüft, die in der Zeitung, im SZ-Magazin, in SZ-Familie und auf SZ.de erschienen waren. Es handelt sich insgesamt um 27 Beiträge, davon zwölf im SZ-Magazin. Dabei haben sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass es weitere grobe Verstöße gegen journalistische Standards des Süddeutschen Verlages gab. Es hat sich einzig herausgestellt, dass der Journalist in einem SZ-Magazin-Artikel im April 2018 vier User-Kommentare von einem Bewertungsportal ungenau oder unrichtig wiedergegeben hat.

Der Text mit der erfundenen Protagonistin ist nicht erschienen. Die Verfahren zur Prüfung von journalistischen Texten haben funktioniert. Jeder Beitrag im SZ-Magazin geht durch zahlreiche Hände und wird vielfach geprüft: von einem Redakteur oder einer Redakteurin und dem Textchef in Hinblick auf Stil und Textaufbau, sowie durch die Dokumentationsabteilung auf Richtigkeit der Fakten. Süddeutsche Zeitung und SZ-Magazin werden diesen Vorfall dennoch zum Anlass nehmen, ihre redaktionsinternen Abläufe weiter zu stärken.

Auch bei anderen großen Medien werden Texte des von der SZ gekündigten Autors geprüft, für Zeit und Spiegel hatte er in den vergangenen Jahren auch geschrieben. Bei der Zeit sind Stefan Willeke, Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion, und Maria Exner, stellvertretende Chefredakteurin bei Zeit Online, mit der Koordination der Überprüfung beschäftigt. Der Autor helfe dabei umfassend mit. "Wir haben angefangen, jeden Stein umzudrehen", sagte Willeke der SZ. Es gebe in den überprüften Texten bislang keine erfundenen Personen oder Orte. Bei der Schilderung der Ereignisse seien in etwa einem Drittel der ungefähr 50 Texte jedoch Fehler gefunden worden: "Jetzt bewerten wir gerade, ob das Fehler sind, die nicht passieren sollten, aber jedem Reporter schon passiert sind - oder ob etwas Systemisches darin steckt."

Der Spiegel teilte mit, die Dokumentation prüfe insgesamt 43 Veröffentlichungen, bei rund der Hälfte sei die Überprüfung noch nicht abgeschlossen. Hinweise auf bewusste Manipulationen seien bisher nicht festgestellt worden. "Sollten sich noch Hinweise auf Manipulationen finden lassen, wird der Spiegel nach Abschluss des Prüfvorgangs die Ergebnisse öffentlich machen." Derzeit suche man das Gespräch mit dem Autor.