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Trash-TV:Pure Menschenverachtung

Die Ablehnung von Elendsvoyeurismus im Fernsehen hat nichts mit Geschmack zu tun.

Kommentar von Aurelie von Blazekovic

Pro Sieben stellt Kanzlerkandidaten vor, RTL wirbt einen "Tagesschau"-Sprecher an: Das Privatfernsehen kann sich gerade über viel Lob freuen, weil es vermehrt gesellschaftspolitische Themen platziert. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, was hier nach wie vor täglich läuft: Reality-Sendungen, aus denen pure Menschenverachtung spricht, in denen die Schwächsten der Gesellschaft vorgeführt werden. Diese Formate müssen endlich verschwinden. Ein gescheiterter Dreh für die Sat-1-Sendung "Plötzlich arm, plötzlich reich", von dem der Teilnehmer und Partysänger Ikke Hüftgold erzählt, zeigt, warum. Hier wurden traumatisierte Kinder vor die Kamera gezerrt.

Diese Sendung ist nun abgesetzt, doch das Privatfernsehen ist voll mit ähnlichen Formaten. Spricht man mit Menschen, die seit Jahren an deren Produktion beteiligt sind, wird klar, dass die Rücksichtslosigkeit System hat: Gezielt werden Menschen gecastet, die stumpfe Klischees über Arme oder psychisch Kranke erfüllen sollen und so inszeniert werden, je krasser, desto besser. Medien haben Verantwortung für ihre Protagonisten. Konfrontiert man Verantwortliche, hört man schnell: Ach, da rümpft die gutbürgerliche Kritik mal wieder ihre Nase. Dabei kann Reality-TV herrlich sein. Was sich jedoch verbietet: Unterhaltung auf Kosten von Menschen, die sich nicht schützen können.

© SZ
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