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Tour de France:"Notfalls müssen wir eine andere Form der Berichterstattung finden"

FILE PHOTO: Tour de France - The 128-km Stage 21 from Rambouillet to Paris Champs-Elysees

Für die diesjährige Berichterstattung über die Tour de France hat der Saarländische Rundfunk ein Hygienekonzept für das Team vor Ort entworfen.

(Foto: Gonzalo Fuentes/REUTERS)

Trotz Reisewarnung für Teile Frankreichs soll die Tour de France wie geplant am Samstag starten. Kann die ARD noch wie gewohnt berichten?

Interview von Johannes Nebe

Wenige Tage vor dem Start der Tour de France am Samstag wurden Teile Frankreichs wegen der Corona-Pandemie zum Risikogebiet erklärt. Für den Großraum Paris und die Côte d'Azur spricht die Bundesregierung eine Reisewarnung aus. Zuständig für die Berichterstattung in der ARD ist auch dieses Jahr wieder der Saarländische Rundfunk, der für das dreiwöchige Sport-Event ein Team nach Frankreich entsendet. SR-Sportchef Steffen Demuth zeigt sich optimistisch.

SZ: Herr Demuth, die diesjährige Tour de France startet am Samstag in Nizza, das im Risikogebiet Côte d'Azur liegt. Ändert das die Pläne für die Berichterstattung?

Steffen Demuth: Unser Team vom SR wird nach wie vor direkt aus Frankreich berichten. Wir haben unsere Planung zur Berichterstattung aber durchaus danach ausgerichtet, dass die Lage während der dreiwöchigen Tour de France eskalieren könnte. Zusätzlich haben wir ein Hygienekonzept erstellt, um unsere Mitarbeiter zu schützen.

Wie sieht dieses Hygienekonzept genau aus?

Die Gruppe, die nach Frankreich fahren wird, ist mit weniger als 30 Personen wesentlich kleiner als noch im Vorjahr, da waren es noch 45 Mitarbeiter. Alle haben sich im Voraus freiwillig auf Corona testen lassen, die meisten waren zusätzlich in häuslicher Quarantäne. Außerdem wird die Besetzung des Teams immer gleich bleiben. Selbst wenn es also zu einer Infektion während der Tour kommen sollte, können wir eine Nachverfolgung gewährleisten. Die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen ist natürlich ein wesentlicher Faktor des Konzepts. Ich gehe aber davon aus, dass wir gut gewappnet sind.

Welche Maßnahmen werden vor Ort ergriffen?

Der Tour-Veranstalter ASO, die Amaury Sport Organisation, erstellt jeden Tag neu für die jeweilige Etappe der Tour eine "zone technique". Eine abgesperrte Zone, aus der wir berichten werden. Betritt jemand den Bereich, wird bei der Person von einem Mitarbeiter der ASO Fieber gemessen. Bei Auffälligkeiten wird dann schnell reagiert und vor Ort getestet. Wenn jemand Symptome zeigt, muss das sofort gemeldet werden. Sollte der Corona-Test positiv ausfallen, wird die betroffene Person nach Hause fahren müssen. Wir werden dann schauen, wie wir den Ausfall ersetzen und ob wir die Leerstelle aus der Heimatredaktion auffüllen können. In den Jahren zuvor haben wir für die Mitarbeiter noch jeden Tag einen Imbiss bereitgestellt, dieses Mal gibt es nur noch abgepacktes Essen, ansonsten muss sich jeder selbst versorgen. Untergebracht wird das Team in Hotels, dort entfallen aber gemeinsame Abende, um die Kontakte möglichst zu minimieren.

Steffen Demuth

SR-Sportchef Steffen Demuth zeigt sich für die diesjährige Berichterstattung zur Tour de France optimistisch.

(Foto: SR/SR)

Das erinnert an Basketball in den USA: Dort lässt die NBA alle Reporter nur aus abgesteckten Bereichen berichten, Journalisten mussten sogar dort übernachten.

Da muss man nicht extra nach Amerika schauen, das kann man auch mit den Regelungen beim DFB-Pokal oder der Bundesliga vergleichen. Die Berichterstattungsplätze sind ausgedünnt, die Kontakte mit den Sportlern eingeschränkt. Dafür gibt es dieses Jahr eine Mixed Zone: Ausgewählte Radfahrer können auf Abstand Fragen von ausgewählten Journalisten beantworten. Letztes Jahr rannten noch Menschenmengen zu den verschwitzen Fahrern, um ein Interview zu bekommen, solche Bilder wird es dieses Jahr nicht mehr geben. Wir sprechen hier also durchaus von einer Blasenbildung, wenn versucht wird, die Sphären von Journalisten und Sportlern getrennt zu halten.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Wie wird man reagieren, wenn sich die Corona-Lage in Frankreich weiter verschärfen sollte?

Wenn die Franzosen sagen, wir werden strenger sein, wissen wir darauf zu reagieren. Wie alle anderen reagieren auch wir täglich auf das Infektionsgeschehen im Land. Geplant ist natürlich, dass wir die Tour bis nach Paris vor Ort begleiten können. Wir haben aber auch entsprechende Konzepte, dass wir die Berichterstattung zurück nach Saarbrücken verlegen können.

Gibt es denn Pläne, mit französischen Berichterstattern zusammenzuarbeiten, wenn die Lage weiter eskalieren sollte?

Dass wir auf französische Kameraleute zurückgreifen, ist so nicht geplant. Notfalls müssen wir eine andere Form der Berichterstattung finden, wenn der Veranstalter sagt, wir können keine Journalisten zulassen. Aus Deutschland heraus, angereichert mit Material, beispielsweise indem man sich über Whatsapp O-Töne von Sportlern besorgt. Wenn es ganz schlimm kommen sollte, müssen wir auf das Fernsehbild zurückgreifen, das von den Franzosen gefilmt und bereitgestellt wird, das sogenannte Weltbild. Das müssten dann eben unsere Experten aus Deutschland kommentieren statt aus Frankreich. Dadurch würden aber viele journalistische Inhalte verloren gehen, die wir nur vor Ort einholen können.

Tour de France, zu sehen ab dem 29. August im Ersten ab 14.30 Uhr, an den Wochentagen von 16.05 Uhr bis 17.30 Uhr, an den Wochenenden abhängig von den Etappen etwas länger. Zusätzliche Beiträge und Etappen zu sehen auf One, ab dem 31. August um 12.40 Uhr.

© SZ/ebri/tyc/khil
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