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Toter Journalist in der Slowakei:Morde an Journalisten darf Europa nicht zulassen

Die slowakische Polizei sichert den Tatort, an dem Ján Kuciak und seine Partnerin ermordet wurden.

(Foto: AFP)

Mit Ján Kuciak wurde erneut ein Journalist ermordet, der an den Panama Papers mitgearbeitet hat. Deutschland muss darauf achten, dass dieses Verbrechen aufgeklärt wird - um jeden Preis.

Kommentar von Bastian Obermayer

Mitten in der Europäischen Union wurde ein Investigativjournalist ermordet - es ist der zweite Journalistenmord binnen kurzer Zeit. Dieses Mal traf es den slowakischen Kollegen Ján Kuciak und seine Lebensgefährtin. Sie wurden in ihrer Wohnung in dem Dorf Veľká Mača erschossen. Erst im Oktober war in Malta die unermüdliche Rechercheurin Daphne Caruana Galizia mit einer Autobombe getötet worden. Die Polizei geht ausdrücklich davon aus, dass Kuciaks Tod in Zusammenhang mit seiner Arbeit steht. Sein Spezialgebiet waren Wirtschaftsverbrechen, wie Caruana hatte auch er an den Panama Papers mitgearbeitet.

Die slowakische Politik muss nun zeigen, dass sie derartige Verbrechen nicht duldet. Sie muss mit aller Entschlossenheit den oder die Täter zur Verantwortung ziehen. In einem Land, in dem sowohl der Regierungschef als auch ein Minister sich abfällig über recherchierende Journalisten geäußert haben, ist dies leider nicht selbstverständlich. Auch in diesem Punkt gibt es also Parallelen zu Malta, wo noch immer vollkommen unklar ist, wer Daphne Caruana ermorden ließ und warum.

Die Rolle Deutschlands, ja die Rolle ganz Europas muss es nun sein, genauestens darauf zu achten, dass diese beiden Verbrechen aufgeklärt werden, und zwar um jeden Preis. Scheitert die Aufklärung, ist zu befürchten, dass man sich bald an Morde an unbequemen Journalistinnen und Journalisten gewöhnen muss. Mitten in Europa.

© SZ vom 27.02.2018/cag
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