Interviewheft mit Toni Kroos:Zeit fürs Nachspiel

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Interviewheft mit Toni Kroos: Toni Kroos greift sich an den Kopf - und bricht das Interview mit dem ZDF ab. Das war im Mai, jetzt gibt es ein Heft mit vielen weiteren Fragen. Kroos nahm sich einige Stunden Zeit, diese zu beantworten.

Toni Kroos greift sich an den Kopf - und bricht das Interview mit dem ZDF ab. Das war im Mai, jetzt gibt es ein Heft mit vielen weiteren Fragen. Kroos nahm sich einige Stunden Zeit, diese zu beantworten.

(Foto: Screenshot ZDF)

Als Toni Kroos ein Interview mit dem ZDF spektakulär abbrach, hatte der Journalist Oliver Wurm eine schöne Idee. Diese ist jetzt als digitales Magazin erschienen.

Von Cornelius Pollmer

Oliver Wurm hatte 90 Tage Zeit, sich ein vernünftiges Heft zu überlegen, und es ist ihm mal wieder gelungen. Mal wieder, weil Wurm in der Branche längst ziemlich bekannt ist sozusagen als lebende Sonderveröffentlichung. Er hat die Bibel und das Grundgesetz als Magazin herausgegeben wie auch eines über Angela Merkel - und so ganz unpolitisch ist es selbst jetzt nicht, da Wurm ein neues Heft vorgelegt hat, eines über den Fußballspieler Toni Kroos.

Wer den spektakulären Interviewunfall nach dem Champions-League-Finale im Mai gesehen hatte, dem war klar: So kann, so sollte die Sache nicht enden. Der ZDF-Reporter Nils Kaben hatte Kroos nicht ganz glücklich befragt, der Spieler wiederum reagierte darauf ziemlich gereizt und brach das Interview schließlich ab mit folgendem Satz: "Du hattest 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen. Ehrlich. Und dann stellst du mir zwei so Scheißfragen".

90 Tage nach diesem Zusammenstoß gibt es jetzt also dieses Magazin, für das theoretisch 90 Prominente 90 Fragen an Kroos stellen sollten. Praktisch sind es ein paar mehr geworden und praktisch wird der Begriff "Prominenz" sehr großzügig definiert, er reicht von Robbie Williams oder dem angemessen als "Tennis-Gott" anmoderierten Roger Federer bis zu, na, hach, wie hieß der noch mal, na der Dings, der Dings!!!

Kroos sagt über seine Qualität als Autofahrer: "Stau-Enden sind nicht so meins"

Beachtlich ist dieses Ergebnis aber nicht wegen dieser Menge, sondern wegen der Qualität von Fragen und Antworten. Man erfährt, dass Kroos sich das WM-Finale 2014 nie wieder komplett angesehen hat, die 120 Minuten seien dafür "nicht schön genug". Man erfährt auch, wie Zinedine Zidane der Mannschaft von Real Madrid das Leiden beibrachte, worüber Kroos mit der ebenfalls ostdeutschen Merkel einmal in der Kabine sprach, und dass er zwar ein herausragender Sechser im Weltfußball ist, aber vielleicht nicht der allerbeste Autofahrer (schöner, lakonischer Satz von ihm: "Stau-Enden sind nicht so meins").

Beachtlich ist dies alles auch, weil es nicht bei Trivia bleibt. Kroos spricht über seine Sprungtechnik beim Defensiv-Kopfball und skizziert Ideen zur Veränderung des Regelwerks, die man gerne einmal breit diskutiert sähe, etwa die Einführung von Zeitstrafen statt Gelber und Roter Karten oder die Festlegung einer Nettospielzeit von 60 Minuten.

Interviewheft mit Toni Kroos: Geradezu sinnbildlich zeigt das Cover des Magazins eine Umarmung, konkret eine von Toni Kroos und dem Fußballtrainer Jürgen Klopp.

Geradezu sinnbildlich zeigt das Cover des Magazins eine Umarmung, konkret eine von Toni Kroos und dem Fußballtrainer Jürgen Klopp.

(Foto: Oliver Wurm/Getty)

Auf wiederum die Formel "90+26" kommt am Ende das Kroos-Heft, wobei die allerletzte und also 116. Frage inklusive Nachspielzeit nicht nur von Nils Kaben stammt, sondern dass sie zudem exakt jener im Wortlaut entspricht, die dieser Kaben Kroos nach dem CL-Finale gestellt hatte. Diesmal beantwortet Toni Kroos sie. Damit endet dann also die Playlist dieser großen bunten Toni-Box auf 179 Seiten, die man digital kaufen kann und deren Erlös teilweise der karitativen Stiftung von Kroos zukommt.

Bleibt noch die Zusatzfrage 90+27, ist Kaben mit diesem Projekt eigentlich einverstanden? Auf vorsichtige Nachfrage per Mail schreibt er, er habe Wurms Idee von Anfang an sehr schön gefunden, "weil sie eine ja doch sehr aufgeregte Debatte auf leichte und sympathische Weise zu einem für alle Beteiligten ganz feinen Ende führt - finde ich jedenfalls".

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