"Tom meets Zizou" Allgegenwärtig ist nur die Angst

Fußballer Thomas Broich wollte einmal gegen Zinédine Zidane spielen. Doch daraus wurde nichts. Ein Dokumentarfilm über das deutsche Sporttalent zeigt, wie der Profifußball mit seinen Ressourcen umgeht: Fahrlässig.

Von Stefan Fischer

Sie ist noch nicht zu Ende, die Karriere des Fußballprofis Thomas Broich. Insofern ist es für ein Resümee zu früh. Gemessen an den Erwartungen, die die Bundesliga und die Fans an ihn hatten, gilt Broich jedoch schon als gescheitert. Nur: Sind das auch die Erwartungen, die Thomas Broich an sich selbst gestellt hat?

Kein Sommermärchen, dafür aber Spaß: Profispieler Thomas Broich mit seinem besten Freund David Wieching im Springbrook-Nationalpark im australischen Queensland.

(Foto: WDR/Aljoscha Pause)

Der Filmemacher Aljoscha Pause hat Broich und dessen Karriere von 2003 an acht Jahre lang begleitet. Und hat, was in dieser Zeit passiert ist mit dem Menschen Thomas Broich, verdichtet auf den 135-minütigen Dokumentarfilm Tom meets Zizou - kein Sommermärchen, der vergangenes Jahr eine kurze Kinokarriere hatte und dabei vermutlich weniger Zuschauer als ein durchschnittliches Bundesliga-Spiel.

Der WDR zeigt nun eine 90-minütige Fassung; das verspricht ein größeres Publikum. Und kein Fußballspiel, die anschließende Expertenanalyse eingerechnet - wie hellsichtig sie auch sein mag - , zeigt im Vergleich mit Pauses Film so klar, wie dieser Sport auf Profiniveau hierzulande funktioniert. Wer sich ernsthaft für Fußball interessiert, hat von Tom meets Zizou mehr als von drei Monaten Sportschau.

Broich ist intelligent und reflektiert. Ganz früh in seiner Karriere nimmt er einen Mitspieler im Auto mit, wo er klassische Musik hört. Von da an nennen ihn erst die Kollegen und bald auch die Medien: Mozart. Gehört hatte er Carl Orff. Für solche Feinheiten interessiert sich niemand. Broich hat seinen Ruf weg. Und er bedient dieses Image auch. Der Titel Tom meets Zizou geht auf Broichs frühere Mailadresse zurück, sein Traum war es, einmal gegen Zinédine Zidane zu spielen.

Der Film ist stark, weil er sich gegen einfache Antworten verwehrt und einen selbstkritischen Protagonisten hat. Nicht andere sind für Broich Schuld, dass er nie Nationalspieler wurde und heute in Australien spielt. Das ist die eine Erzählung des Films: Was Broich sich von seinem Beruf und seinem Leben erhofft. In Australien hat er Spaß am Fußballspielen, wahrscheinlich ist ihm das inzwischen wichtiger, als an einer Weltmeisterschaft teilgenommen zu haben.

Die zweite Erzählung handelt vom Betrieb Bundesliga - und der Rolle der Medien. Als junger Spieler war Broich zu Gast im Aktuellen Sportstudio des ZDF. Ein Hoffnungsträger des deutschen Fußballs wird er da genannt, zusammen mit dem Verteidiger Frank Fahrenhorst. Der hieß bald nur noch Gefahrenhorst, und das hat ihn seine Karriere gekostet. Thomas Broich spricht über die allgegenwärtige Angst - von Managern, Trainern, Spielern, die permanent um ihre Jobs fürchten. Und er sagt: "Ich hätte nie geglaubt, wie viel von der Psyche abhängt."

Genügend Spieler kommen mit den Verhältnissen klar. Im Grunde aber geht der Profifußball in den europäischen Spitzenligen sehr oft sehr fahrlässig mit seinen Ressourcen um. Dieser Eindruck ist der stärkste, der am Ende von Tom meets Zizou steht.

Tom meets Zizou - kein Sommermärchen, WDR, 22.30 Uhr.

Was sonst noch im TV läuft, erfahren Sie hier.