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TNT-Serie "Weinberg":Auf der Suche nach dem Brain-Fuck

Zu spüren ist, mit welcher Begeisterung die Menschen hier arbeiten. Ein bisschen so, als entstünde hier in der ländlichen Abgeschiedenheit ein neues Twin Peaks. Ein wenig treibt sie dabei auch der Wunsch, das deutsche Fernsehen besser zu machen, am Ende etwas vorweisen zu können, für das man sich nicht schämen muss, das man im besten Falle selbst gern anschaut. Nimmt man den Willen der Macher zum Maßstab, dann wird Weinberg ganz groß, ganz anders.

Was anders bedeutet, das haben die Drehbuchautoren schon im Vorfeld erfahren. "Man hat uns alle Freiheiten gelassen", betont Scharf. Aber nicht nur das. Macht es schräger, haben sie als Anweisung vernommen. "Das ist das Gegenteil von dem, was man sonst aus Redaktionen hört", sagt Nolting und schwärmt in Hochglanz weiter: "Das sind traumhafte Bedingungen für eine albtraumhafte Story."

Für Producerin Greifeneder ist die Abgrenzung zum Serieneinerlei, bei dem auch der Dümmste immer alles sofort verstehen muss, Programm. "Es muss einen Twist haben, einen Brain-Fuck mit sich bringen", sagt sie. Soso. Irgendwas im Hirn soll sich tun, wenn man später sieht, was hier gerade angerichtet wird. Brain-Fuck, sagt einer, könne doch auch eine schöne Weinmarke abgeben. Vorerst aber soll der Brain-Fuck vor allem TNT auszeichnen.

Fortsetzung? Vielleicht!

"Es stärkt das Pay-TV. Wir sind diejenigen, die mit Add A Friend angefangen haben, und wir hoffen, dass sich das weiter entwickelt", kreist Greifeneder die Motivation des Senders ein. Sie sieht sich zudem in ihrer Begeisterung bestärkt von der Filmstiftung NRW, die 600 000 Euro zum Projekt beisteuert.

Zur großen Heimlichtuerei gehört auch, dass das Ende des Sechsteilers nicht verraten wird. "Viele Schauspieler kennen das Ende auch nicht", sagt Greifeneder. Normalerweise hört man so etwas, und am Ende droht dann eine halb gare Wischiwaschi-Auflösung. Das soll bei Weinberg anders sein. "Wir erzählen das zu Ende. Wir lassen niemanden im Regen stehen", sagt Autor Nolting. Mit Blick auf den Erfolg der Serie Add A Friend, die ja gerade in der dritten Staffel läuft, lässt er sich indes ein Türchen offen. "Man könnte natürlich weitermachen. Wenn man denn möchte", sagt er. Dem stimmt auch Greifeneder zu. "Am Ende steht Bobby Ewing unter der Dusche und hat alles nur geträumt", sagt sie mit Verweis auf das große Dallas-Vorbild und lächelt vielsagend.

Noch denkt hier aber niemand an eine Fortsetzung. Wichtig ist jetzt erst einmal der Brain-Fuck, der Mayschoßer Brain-Fuck, Jahrgang 2014. Von der Sonne verwöhnt, vom Nebel liebkost. Das könnte was werden.