Titel des "Time"-Magazins Land unter bei Donald Trump

Donald Trump geht unter: Der Illustrator Tim O'Brien hat eine Dreier-Serie von Titelbildern für das Time-Magazin geschaffen.

(Foto: Tim O'Brien / Time Magazine)
  • Das Time-Magazin hat das Chaos im Weißen Haus in einer viel beachteten Cover-Reihe illustriert.
  • Das aktuelle Titelbild zeigt ein geflutetes Oval Office und den US-Präsidenten, der verzweifelt schwimmt, um nicht unterzugehen.
Von Beate Wild, Austin

Wenn Donald Trump das Wasser bisher bis zum Hals stand, dann droht ihm seit dieser Woche das Ertrinken. Zwei seiner ehemals engsten Vertrauten sind nun offiziell Kriminelle. Und Sonderermittler Robert Mueller scheint der Wahrheit in der Russland-Affäre mehr und mehr auf den Grund zu kommen. Eine desaströse Woche für den US-Präsidenten.

Das amerikanische Time-Magazin hat es wie keine andere Publikation geschafft, Trumps ernste Lage bildlich umzusetzen. Zur aktuellen Time-Titelgeschichte, bei der es um die neuen Turbulenzen im Weißen Haus geht, zeigt das Magazincover das geflutete Oval Office und einen schwimmenden Trump, der verzweifelt versucht, sich über Wasser zu halten. Die Schlagzeile "In Deep" bedeutet: Der US-Präsident steckt in der Klemme. Ziemlich tief. Er kämpft um sein Überleben im Amt.

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Die Lage ist in der Tat ernst. Am Dienstag bekannte sich Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen für schuldig. Er belastete seinen ehemaligen Chef in der Affäre um die Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen, die behaupten, sexuelle Beziehungen zu Trump gehabt zu haben. Nur zwei Minuten nach Cohens Eingeständnis kam das Urteil der Jury gegen Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort. In acht von 18 Anklagepunkten befand sie ihn für schuldig.

Die Optik des Time-Covers dürfte den Lesern bekannt vorkommen. Es ist das dritte aus einer Dreierreihe des Illustrators Tim O'Brien. Seine erste Grafik erschien im Februar 2017, kurz nach Trumps Amtsantritt, es kriselte bereits in der Trump-Regierung. O'Brien zeichnete den Präsidenten an seinem Schreibtisch sitzend. Um ihn herum stürmt und regnet es. Haar und Krawatte flattern im Sturm, die Papiere auf seinem Schreibtisch wirbeln durcheinander. Die Schlagzeile lautete: "Nichts zu sehen hier."

Das zweite Cover hieß "Stormy"

Im April 2018 legte O'Brien nach: Trump sitzt in gleicher Pose am Schreibtisch. Es ist wieder stürmisch, Haar und Krawatte wehen im Wind. Nur das Wasser steht Trump in diesem Bild mittlerweile schon bis zur Brust. Der Titel "Stormy" heißt übersetzt "stürmisch", bezieht sich aber auch auf die Pornodarstellerin Stormy Daniels, eine der beiden Frauen, die eine Affäre mit Trump gehabt haben soll und dafür Schweigegeld bekommen hat.

Aktueller Anlass war damals, dass das FBI Cohens Büro durchsucht hatte, um Beweismaterial zu sichern. Genau derselbe Cohen, der nun am Dienstag Trump belastet hat. Mit dem neuen Cover schließt sich also der Kreis.

"Ich fand, es wäre zu lächerlich oder vielleicht sogar morbide gewesen, ihn immer noch am Schreibtisch sitzen zu sehen", erklärt O'Brien sein drittes Titelbild. Dass er nun oben an der Wasseroberfläche schwimmt, suggeriere, dass er noch um sein Überleben kämpfe, obwohl das Wasser immer mehr ansteige.

Als er das erste Cover malte, habe er wie viele andere noch angenommen, dass dieses Chaos-Level nicht anhalten würde, so der Künstler weiter. "Aber als die nicht enden wollende Flut an Breaking News über das Weiße Haus hinwegspülte, und die Entlassungen, die Skandale und das generelle Chaos ständig in den Nachrichten präsent waren, dachte ich mir, die Sturm-Metapher ist relevanter als je zuvor", sagt O'Brien.

Gefälschtes Time-Cover in Trumps Golf-Clubs

Time hat seine besten Zeiten hinter sich, war aber immer für aufsehenerregende Cover gut. In der 95-jährigen Geschichte des Magazins ist es das erste Mal, dass ein Illustrator drei zusammenhängende Cover gestaltete. Sein erstes Werk vom Februar 2017 fertigte der Künstler mit Airbrush, Bleistift, Gouache und Ölfarben an. Trump scheint solche Serien zu inspirieren: Für den Spiegel zeichnete der Illustrator Edel Rodriguez den US-Präsidenten ebenfalls mit drastischem Wiedererkennungswert.

O'Brien gestaltet schon seit 28 Jahren Titelbilder für das Time-Magazin. Zwei seiner Cover aus dem Jahr 1996, das eine mit Ex-Präsident Bill Clinton und dem damaligen republikanischen Senatsführer Bob Dole, das anders mit den "Grand Old Populists" (den republikanischen Politikern Pat Buchanan, Lamar Alexander und Bob Dole, Anm. d. Red.), hängen in der Nationalen Porträt-Gallerie im Smithsonian Museum in Washington D.C.

Trump und das Time-Magazin hatten schon öfter miteinander zu tun. Nach seinem Wahlsieg Ende 2016 kürte die Zeitschrift Trump zur "Person des Jahres". Ein Jahr später twitterte Trump, das Magazin habe ihm den Titel "wahrscheinlich" erneut verleihen wollen. Time widersprach dem US-Präsidenten und warf ihm eine unrichtige Darstellung vor.

Im Januar 2017 berichtete die Washington Post, Trump habe in seinen Golfclubs einen Time-Titel mit der Schlagzeile: "Donald Trump: 'The Apprentice' ist ein Riesenerfolg." aufgehängt. Das Cover war eine - offenbar bewusste - Fälschung.

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