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Tipps:Die Serien des Monats

Familien und Fantastisches, Gangster, Roadtrips und Showbiz-Streitereien: sieben Empfehlungen aus den November-Neustarts.

Nach eher mauen Wochen gab es im November besonders viele sehenswerte Serien im Programm der Mediatheken und Streamingdienste, von Familienepos bis Gangstergeschichte. Die SZ-Medienredaktion stellt die besten vor.

4 Blocks

Was passiert: Toni Hamady geht es in der dritten und finalen Staffel von 4Blocks wie Michael Corleone im Paten: "Gerade als ich dachte, ich bin draußen, ziehen die mich wieder rein." Hamady hatte sich fast vollständig gelöst vom Dasein als Chef deslibanesischen Clans in Berlin-Neukölln, trägt Trainingsjacke statt Anzug und coacht junge Flüchtlinge im Fußball. Er renoviert ein Häuschen am Stadtrand, auch ein Pony wird geliefert. Lange hält er das allerdings nicht durch. Hat sich doch ein Verräter in den eigenen Clan eingeschlichen.

Heimlicher Held: Veysel Gelin als Abbas Hamady, dem Bruder, der nun die Geschäfte führt. Weil er über das deutsche Fernsehen gekommen ist wie eine Naturgewalt.

Nicht geeignet für: Ballerkino-Gegner. Toni-Darsteller Kida Khodr Ramadan sagte, die dritte Staffel solle "nochmal alles zerreißen". Tatsächlich packt sie einen wieder, mit schnellen Schnitten und brutalen Bildern.

Carolin Gasteiger

Zu sehen: auf Sky, wöchentlich neue Folgen.

Bonusfamilie

Was passiert: Lisa und Patrick (Inez Bjørg David und Lucas Prisor) sind frisch verliebt, haben gerade ein Häuschen bezogen und erwarten ein Baby. Aber: Lisa und Patrick sind auch frisch getrennt, sie bringen Kinder mit in die Beziehung, Lisa hat einen cholerischen Ex-Mann und Patrick eine zickige Exfrau. Trotzdem geben sie alles, damit ihre Bonusfamilie (das positivere Wort für Patchwork) glücklich ist.

Heimlicher Held: Die Mutter von Lisas Exmann Martin, gespielt von Swetlana Schönfeld. Die ist die reinste Glucke, die sich darüber freut, mit ihrem Sohn Notting Hill gucken zu können, ungefragt ins Badezimmer läuft und Ratschläge in Sachen Onlinedating gibt.

Nicht geeignet für: Grinchs, die keine Lust auf Weihnachten und Familie haben.

Maresa Sedlmeir

Zu sehen: in der ARD-Mediathek, 6 Folgen. Hier geht es zur ausführlichen Kritik von "Bonusfamilie".

The Crown

Was passiert: Die dritte Staffel der opulenten Historienserie zeigt die Irrungen und Wirrungen des Hauses Windsor in den Sechziger- und Siebzigerjahren. Queen Elizabeth II. wird nun von Olivia Colman gespielt, die mit der Geltungssucht ihres Gatten Philip und den Intrigen wechselnder Premierminister ringt.

Heimlicher Held: Der britische Newcomer Josh O'Connor spielt Prinz Charles als schüchternen, aber lebenshungrigen jungen Mann in der Prä-Diana-Zeit, der mit seiner royalen Familie hadert und dem königlichen Korsett entfliehen möchte.

Nicht geeignet für: Monarchie-Gegner. Wirklich nötig ist eine Serie über eine anachronistische Institution wie das britische Königshaus vielleicht nicht. Aber Peter Morgan beweist, dass er einer der besten Drehbuchautoren der Welt ist, weil er Zeitgeschichte und familiäre Soap-Dramen elegant verknüpft

David Steinitz

Zu sehen: auf Netflix, 10 Folgen.

His Dark Materials

Was passiert: Die 12-jährige Waise Lyra wird aus ihrer gewohnten Welt des altehrwürdigen Jordan Colleges gerissen, in dem sie aufgezogen wurde. Eine mysteriöse Forscherin heuert sie als Assistentin an, Dutzende Kinder werden entführt. Wem das bekannt vorkommt, liegt richtig: His Dark Materials ist die Serienadaptation von Philip Pullmans Fantasy-Trilogie Der Goldene Kompass.

Heimlicher Held: Die Tiere, die den Menschen in Pullmans Fantasie-Welt als Ausdruck der eigenen Seele zur Seite stehen. Sprechende Frettchen oder Raben können in Filmen ja leicht peinlich wirken, aber hier kommen sie so natürlich daher, dass man am Ende etwas traurig ist, dass es sie nicht in Wirklichkeit gibt.

Nicht geeignet für: Ironie-Verfechter. Die Serie gefällt sich sehr in pathetischem Abenteurergestus.

Luise Checchin

Zu sehen: bei Sky, 8 Folgen. Mehr lesen Sie in dieser Rezension.

The End of the F***ing World

Was passiert: Zu viel, um hier ohne Spoiler auszukommen. Die erfolgreiche erste Staffel endete in einem unheilvollen Cliffhanger. Jetzt, zwei Jahre später, treffen sich die beiden Antihelden Alyssa (Jessica Barden) und James (Alex Lawther) wieder: sie frisch vermählt und mit gewohnt schlechter Laune, er invalide und mit ungewohnt romantischen Gefühlen. Weil sich die britische Indie-Serie nicht mit einer Lovestory begnügen will, setzt man Alyssa und James noch Bonnie (Naomi Ackie), eine Mörderin mit Rachefantasien, auf die Autorückbank - und schickt alle drei auf einen düsteren Roadtrip zur Traumabewältigung.

Heimlicher Held: Die hängenden Mundwinkel von Alyssa. Und die wohl rotzigsten Voice-Over der Seriengeschichte.

Nicht geeignet für: Exzessive Serien-Nächte mit Snackbuffet und Kuscheldecke - dafür ist die zweite Staffel von The End of the F***ing World mit insgesamt drei Stunden einfach zu kurz.

Nora Voit

Zu sehen: auf Netflix, 8 Folgen. Hier geht es zur ausführlichen Besprechung.

The Morning Show

Was passiert: Alex Levy (Jennifer Aniston) ist Sprecherin beim Frühstücksfernsehen, wegen Belästigungs-Vorwürfen verliert sie ihren langjährigen Co-Moderator Mitch Kessler (Steve Carell). Und erfährt dann, dass schon längst an einem Ersatz für sie gearbeitet wurde. Mögliche Nachfolgerin: eine engagierte Lokal-Reporterin, gespielt von Reese Witherspoon.

Heimlicher Held: Billy Crudup, der ein Ekel von Fernsehboss spielt. Mit Steve Carell hat man eher Mitleid, als dass er die Rolle des Bösewichts ausfüllt. Die Serie greift zwar topaktuell das Thema Me Too auf - wagt dann aber lieber nicht zu viel.

Nicht geeignet für: Apple-Hasser. The Morning Show ist das Prestigeobjekt des neuen hauseigenen Streamingdienstes der Firma und allein schon deswegen interessant. Sie als Dauerwerbesendung zu bezeichnen, wäre falsch. Aber es sind schon arg viele Iphones, Ipads und Isonstwasgeräte zu sehen.

Elisa Britzelmeier

Zu sehen: bei Apple TV+, wöchentlich neue Folgen.

Zeit der Geheimnisse

Was passiert: Eva (Corinna Harfouch) gehte es gesundheitlich gar nicht gut, aber zu Weihnachten erwartet sie ihre Tochter Sonja (Christiane Paul) und die erwachsenen Enkelinnen Vivi (Svenja Jung) und Lara (Leonie Benesch) in ihrem einsamen Holzhaus am Meer. Unter den Frauen kommt - mit vielen Rückblenden - alles auf den Tisch, was schon immer mal gesagt werden musste. Abrechnung, Melodrama, großes Gefühl, große Landschaft, Männer kommen und gehen, dazwischen wird gekocht. Alles, was man zum Fest braucht.

Heimliche Heldin: Uroma Alma, also die Schauspielerin Barbara Nüsse, als vom Leben abgeschabte Matriarchin mit Revolver, die aufsässig dazwischenkräht und sich ihren Vorkriegs-Nerz nicht nehmen lässt. "Ich scheiß auf Weihnachten. In Berlin, da wird gefeiert, da feiern sie immer."

Nicht geeignet für: Menschen, die beim Anblick der vielen dicken Landlust-mäßigen Wollpullover sofort einen Kratzanfall bekommen.

Claudia Tieschky

Zu sehen: auf Netflix, 3 Folgen. Zur ausführlichen Rezension bitte hier entlang.