Til und Luna Schweiger im "Tatort" "Ganz normale Prozesse"

Der Sender jedenfalls hat im Vorfeld von Schweigers Premiere als Kommissar weit mehr Kritik abzuwehren als üblich. Christian Granderath, verantwortlicher Redakteur für den Hamburger "Tatort", bringt all das in Rage. "Das sind ganz normale Prozesse", erklärt er SZ.de genervt. Es sei eben nicht so, dass Til hier seine Kumpel eingeschleust hätte - alle Besetzungen hätten allein mit der schauspielerischen Leistung zu tun. Aha. Wenn der NDR-Mann das aber so vehement betont, hat es doch irgendwie einen faden Beigeschmack.

Bei Luna Schweiger spiele auch das besondere Vertrauensverhältnis eine Rolle, das zwischen Kindern und Erwachsenen am Set sehr wichtig sei, so Granderath. "Luna hat Schauspiel- und Filmerfahrung und war aus vorherigen Produktionen so interessant, dass Christian Alvart (Regisseur, Anm. der Red.) sich für sie entschieden hat." Der Vorschlag sei tatsächlich von Schweiger gekommen und willkommen gewesen, sagt Granderath.

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Leider merkt man von Lunas schauspielerischem Talent in der ersten Folge nur wenig. Der unaufgeregte Gesichtsausdruck der 16-Jährigen ändert sich kaum und den Mund kriegt sie beim Sprechen auch kaum auf. So nuscheln Vater und Tochter in "Willkommen in Hamburg" gemeinsam vor sich hin. Ein kleiner Auszug:

"Mama hat angerufen." "Und?" "Sie hat gefragt, ob Du immer noch nett zu mir bist oder ob ichs schon bereue, dass ich zu Dir gezogen bin." "Und was hast Du gesagt?" "Ich hab ihr gesagt, dass Du mir jeden Morgen ein weiches Ei zum Frühstück machst."

Tröstlich ist zumindest, dass die Vater-Tochter-Story im NDR-"Tatort" nur die Rahmenhandlung bildet. Anders als in Schweigers Kinofilm "Schutzengel", der sich eigentlich mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr auseinandersetzen soll, in Wirklichkeit aber zum kitschigen Freundschaftsdrama zwischen Schweiger und Luna als seinem Schützling verkommen ist. Der Hamburger "Tatort" definiert sich wie wohl kaum ein anderer über seinen Hauptdarsteller - und Lunas Engagement trägt dazu leider nur bei. "Wo Til Schweiger draufsteht, ist auch Til Schweiger drin", um den Schauspieler aus einem jüngst geführten Interview mit Spiegel Online zu zitieren. In diesem Fall ist es ein(e) Schweiger zu viel.

Tatort "Willkommen in Hamburg": Sonntag 10. März, 20.15 Uhr, ARD

"Tatort" in der ARD

Und dann auch noch der Oberzyniker