Til Schweiger im ZDF über Flüchtlinge:"Ich bin so froh, wenn ich mal nicht in der Zeitung stehe"

Schweiger will eine Stiftung für traumatisierte Kinder gründen. "Ich werde richtig Klinken putzen gehen", verspricht er. Er verstehe ja sogar, wenn jemand sage: "Mir geht es selbst nicht gut - und jetzt soll ich auch noch Flüchtlingen helfen?" Aber, so Schweiger: "Nicht in diesem Ton." Gemeint sind damit wohl die offen rassistischen Kommentare, die sich zu Dutzenden unter Schweigers Facebook-Posts finden. Und dann sagt er wieder einen dieser Sätze, für die das Publikum Beifall spendet: "Es ist unsere Verantwortung als Menschen, den verzweifelten Kindern und auch ihren Eltern zu helfen."

An dieser Stelle grätscht Dunja Hayali rein: Habe Schweiger nicht mal in einem Interview gesagt, dass ihn Gutmenschen nerven? Ihr Gast kontert: "Mich nervt niemand, der Gutes tut." Dann will die Moderatorin von Schweiger wissen, was denn eigentlich ein Gutmensch für ihn sei. Der nutzt diese Gelegenheit, um noch ein bisschen gegen diverse Medien zu pesten. Als ginge es hier darum, irgendjemanden zu entlarven! Vor allem Hayali scheint mitunter zu vergessen, welche Frage sie sich eigentlich auf die Agenda geschrieben hatte, nämlich: "Ohne Eltern, ohne Schutz - Wohin mit den Flüchtlingskindern?"

Der Stehtisch-Plausch floppt

Hayali ist in dieser Live-Sendung am besten, wenn sie aus der Konserve kommt. Ein Einspieler zeigt sie in einem Berliner Wohnprojekt für jugendliche Flüchtlinge: Wie sie mit den Jungen aus Syrien über ihre Flucht und ihre Träume für die Zukunft spricht, das ist durchaus berührend. Auch ein Flüchtlingshelfer ist zu Gast im Studio, außerdem soll sich Schweiger mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius streiten, es geht um das mögliche Grundstück für Schweigers "Vorzeige-Flüchtlingsheim" in Osterode am Harz. Doch die beiden haben sich längst am Telefon ausgesöhnt. Der Schauspieler sagt, fast ein bisschen entschuldigend: "Es war nicht meine Idee, Spokesperson of the Year für Flüchtlinge zu werden." Mehr ist aus dem Stehtisch-Plausch nicht rauszuholen.

Also eben doch wieder Konfrontation à la "Moderatorin versus Gast". Hayali hakt bei Schweiger nach: Publicity spiele sicher keine Rolle bei seinem Engagement für Flüchtlinge? Schweiger sagt: "Ich bin so froh, wenn ich mal nicht in der Zeitung stehe. Was brauche ich denn für 'ne PR? Ich bin der erfolgreichste Filmemacher in Deutschland!" Noch mal Hayali: Ob er denn bei seinem geplanten Flüchtlingsheim auch bereit sei, mit anderen Partnern zusammenzuarbeiten? Antwort: "Ich hab' nie gesagt, dass ich Leiter von 'nem Flüchtlingsheim werden will! Ich will schon noch 'n paar Filme machen."

Überheblichkeit hin oder her: Man könnte sogar verstehen, wenn Schweiger seine Sätze mit ein paar mehr Ausrufezeichen versähe, als nötig wären. Und man würde zu gerne sehen, wie Hayali einem einzigen Politiker so zusetzt, wie an diesem Abend Schweiger. Zum Schluss des 30-minütigen Flüchtlingstalks will der Schauspieler dann noch etwas loswerden zum Thema Rassisten: "Die werden als erstes diese Sendung verbieten, wenn sie an der Macht sind."

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