Til Schweiger im ZDF über Flüchtlinge:"Was brauche ich denn für 'ne PR?"

ZDFdonnerstalk; ZDF Donnerstalk

Til Schweiger sprach im ZDF über sein Vorhaben, eine Flüchtlingsunterkunft in Osterode am Harz zu eröffnen.

(Foto: ZDF/Svea Pietschmann)

Dunja Hayali hat sich die "Reizfigur der vergangenen Tage" ins "Donnerstalk"-Studio eingeladen. Und Til Schweiger legt nach: In Deutschland gebe es mehr Geld für Frösche als für Flüchtlinge.

Von Johanna Bruckner

Am Mittwochabend war Til Schweiger in einer Ranking-Show über deutsche Helden zu sehen. Nicht als Held, sondern als Kommentator. Da sagte er über den Radrennprofi Jan Ulrich und seinen Konkurrenten Lance Armstrong: "Ulrich hat nich' gesagt: 'Was zeigt der mit dem Finger auf mich - der hat selber gedopt!' Und jetzt kam's überraschenderweise raus, dass er immer gedopt hat, wie alle anderen auch. Und das ist halt so verlogen in dem Sport, dass ich mir das eigentlich auch nicht angucke."

Aus diesem Statement könnte man nun mehrerlei ableiten. Dass Til Schweiger eine sehr genaue Vorstellung davon hat, was ehrenhaftes Verhalten ist. Vielleicht auch, dass er Dinge schnell als persönliche Kränkung empfindet, wie etwa systematischen Betrug im Sport. Ganz sicher kann man aber sagen: Til Schweiger spricht vielen Menschen aus der Seele.

Geladen zum Tagesordnungspunkt "Flüchtlinge"

Am Donnerstagabend sitzt der Schauspieler nun im ZDFdonnerstalk von Dunja Hayali. Er ist geladen zum Tagesordnungspunkt "Flüchtlinge" - ein Thema, zu dem sich Schweiger in jüngerer Vergangenheit ebenfalls klar positioniert hat. So klar, dass Hayali ihren Gast als "die Reizfigur der vergangenen Tage" ankündigt - was ebenso viel über Schweiger wie über Hayali aussagt. Es ist erst die vierte Ausgabe des neuen Abendtalks der Morgenmagazin-Moderatorin und da kann ein Quotenbringer nicht schaden. Wobei so etwas ja immer ein bisschen unanständig klingt, zumal für einen öffentlich-rechtlichen Sender. Vielleicht unterzieht Hayali Schweiger deshalb einem 30-minütigen Interview, das streckenweise eher an ein Verhör erinnert.

"Warum Flüchtlinge?", fragt sie. "Warum nicht?", antwortet Schweiger. Ja, das ist genau die uninfomierte Großkotzigkeit, die Kritiker von Schweigers Flüchtlingsengagement ihm vorwerfen. Keine Ahnung, aber groß daherreden, von einem "Vorzeige-Flüchtlingsheim", das er bauen will. Nur, Tatsache ist auch: In Hayalis Frage schwingt genau jenes Nicht-Ernstnehmen und Lächerlich-Machen einer Medienvertreterin mit, über das sich der 51-Jährige so empört. Am liebsten via Facebook, wo er am vergangenen Wochenende an seine medialen Kritiker gerichtet schrieb: "Irgendwelche Deppen, die lästern und nichts zu tun haben....! Ich guck auf euch runter, voller Mitleid und Verachtung...!!!!"

"Ich bin so wie ich bin, ich werd' mich nie verändern"

Schweiger fühlt sich ungerecht behandelt, das lässt ihn auch in der Sendung nicht los. Zum Beispiel die Sache mit Sigmar Gabriel: Der sei im Gegensatz zu Angela Merkel auf seine Einladung eingegangen, habe dafür aber genau wie er selbst nur Hohn und Spott bekommen - von genau den Leuten, die gleichzeitig forderten, die Politiker müssten endlich in der Flüchtlingsproblematik aktiv werden. Sein Treffen mit dem SPD-Politiker habe auch mitnichten etwas mit dessen Partei zu tun gehabt: "Ich bin parteilos, ich bin aus dem Laden lange ausgetreten", sagt Schweiger. Und: "Ich bin so wie ich bin, ich werd' mich nie verändern."

Das Studiopublikum klatscht immer wieder, wenn der Schauspieler spricht. Er, der im Kino den Massengeschmack trifft, schafft es, in der Flüchtlingsdebatte mehr als nur die Diskurserfahrenen und ohnehin Engagierten abzuholen. Auch, indem er Fragen aufwirft, in denen es mehr um ein Gefühl der Unverständnisses geht als um behauptete Zusammenhänge. Er begreife einfach nicht, sagt Schweiger, wie in Deutschland Geld da sein könne für den Berliner Flughafen oder die Elbphilharmonie, und "Millionen, damit Frösche sicher über die Straße geleitet werden" - aber nicht für Flüchtlinge.

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