Thomas Gottschalk In ihm lebt die Leidenschaft. Immer noch.

Da zeichnet sich ein Muster ab. Wenn er gescheitert ist, dann lag es oft daran, dass er sich mit seinen Bedenken, die er durchaus früh hegte, nicht durchgesetzt hat, dass er, der ansonsten die größten Mehrzweckhallen problemlos in den Griff bekommt, hinter den Kulissen stets konfliktscheu blieb und blauäugig hoffte, es werde sich schon das Richtige ergeben. "Ich habe mich nie mit meiner Autorität durchgesetzt", bilanziert er. Immer hat er darauf vertraut, dass er das Ganze schon mit seiner Geistesgegenwart retten werde. Oder die anderen haben gedacht, dass er schon allein geradebiegen werde, was viele krumm gemacht hatten. "Da habe ich mich manchmal verhoben", gesteht er.

Aber mutlos ist er deshalb nicht geworden. Das mag daran liegen dass er es längst nicht mehr fürs Geld tut. Wenn er Glück hat, decken seine Honorare die Kosten. Silvester moderiert er im Bayerischen Rundfunk eine Radioparty. "Ich krieg wahrscheinlich nur 2000 Euro dafür. Aber auf so etwas freu ich mich", sagt er, und dabei hört man, wie in ihm die Leidenschaft lebt. Immer noch.

Zwischendrin kommt die Schaffnerin, und er nestelt ein bisschen umständlich sein ausgedrucktes Online-Ticket hervor und setzt diesen "Hat das so seine Ordnung?"-Schülerblick auf. "Alles richtig gemacht, Herr Gottschalk", sagt die Kontrolleurin. Die Antwort kommt mit seinem gewinnenden Lächeln: "Das habe ich in letzter Zeit nicht oft gehört."

Thomas Gottschalk Ein Buch wie eine Drogeriemarkt-Tönung
Buchkritik
Gottschalk-Autobiografie "Herbstblond"

Ein Buch wie eine Drogeriemarkt-Tönung

Warum tut sich Thomas Gottschalk das an - vom Entertainer zum Autor? Hat sein Buch "Herbstblond" das Zeug zum Skandal? Welchen Satz sollten Sie sich merken, um mitreden zu können?   Von Johanna Bruckner

Außer im Radio vielleicht. Am nächsten Sonntag ist er wieder bei Bayern 1 zu hören. Drei Stunden lang. Radio ist sein Element, da kommt er her, da ist er am besten. "Im Radio habe ich den Final-Cut", sagt er. Da fummelt ihm keiner rein.

Eines will er partout nicht sein: eine traurige Figur. "Dieses Bild lasse ich nicht von mir malen"

Aber natürlich will einer wie er auch gesehen werden. "Ich bin dabei, mich dem ZDF als Altenpfleger anzudienen", sagt er in seiner flapsigen Art und legt noch einen nach. "Ich werde die Klientel in die Dämmerung führen und dann langsam verblassen." Er meint das nicht ernst. Er ist halt immer auf Sendung.

Born to be wild - die 68er Show soll die Sendung im kommenden Jahr heißen. Da will er Menschen in seinem Alter, die also wie er 1968 ihren 18. Geburtstag feierten, zusammenbringen mit jenen, die 1968 geboren wurden. Dass er dann selbst 68 wird, dürfte die Glaubwürdigkeit unterfüttern. "Zwei Shows im Jahr, da wäre ich überglücklich", sagt er. Ob das klappt, entscheidet der Sender.

Ein bisschen spielt da auch ein Aufbäumen gegen den Trend mit. Er mag das nicht, wenn die Alten freiwillig kapitulieren: "Wir dürfen uns den Schneid nicht abkaufen lassen. Wir haben uns in eine Form der Defensive zurückgezogen", sagt er und macht klar, dass er eines mit Sicherheit nicht ist: eine traurige Figur. "Dieses Bild lasse ich von mir nicht malen", sagt er.

Da wird er ernst und macht deutlich, dass er noch ein bisschen vorne mitspielen will. Deshalb twittert er auch. Else Buschheuer, die Lektorin seiner Autobiografie, hat ihn gefragt, ob er ewig ein dauerblonder Altjüngling bleiben oder zum coolen Alten werden wolle. Natürlich wollte er cool sein. "Bei Twitter bin ich ein bisschen der tüttelige Alte, aber die mögen mich da."

Schnell hat er begriffen, wie das geht mit dem Kurznachrichtendienst. Er teilt sein Leben jetzt auch im Netz und nicht mehr nur auf der Straße - was sein Malibu-Leben von den Tagen in Deutschland klar unterscheidet: "Wenn ich weg bin, bin ich weg. Wenn ich da bin, kriegt mich jeder."

Thomas Gottschalk Was können Sie außer Moderieren?
SZ-Magazin

Sagen Sie jetzt nichts, Thomas Gottschalk

Was können Sie außer Moderieren?

Der Moderator Thomas Gottschalk im Interview ohne Worte über verborgene Talente, bunte Outfits und DJ Skrillex.

Wie das geht, sieht man, als der ICE um 13.24 Uhr in Hamburg einläuft. Kurz danach dröhnt es schlachtrufartig durch die Bahnhofshalle. "Thoooomas Gottschalk", brüllen zwei Jugendliche, und schon ist wieder Selfie-Time. Alle wollen eins mit ihm, alle kriegen eins. Er ist da. Gekommen, um noch eine Weile zu bleiben.