"The Voice of Germany" Mehr von dieser Hühnerhaut!

Talente hin oder her - in der dritten Staffel von "The Voice of Germany" geht es mehr denn je um die gelungene Inszenierung der Jury. Eigentlich könnte man sich die Sendung schenken. Wären da nicht diese Hühnerhaut-Momente.

Von Carolin Gasteiger

Das Prinzip ist klar, nach wie vor: Bei The Voice of Germany geht es auch in der dritten Staffel um die Stimme. Mit diesem Rezept fährt die ProSieben-Castingshow schon zwei Staffeln lang erfolgreich. Wer hier antritt, kann wirklich singen, das Niveau der Talente ist hoch. Rausgeschmissen werden nur die Wenigsten und auch die können immer noch wirklich gut singen.

Entsprechend häufig fallen Sätze wie "Du bist soooo gut" und "Wow!". Aber das Kuscheln mit den Kandidaten wurde in der vergangenen Staffel langsam abgelöst durch das Hin und Her in der Juryreihe. Auf einmal nahm das Hickhack zwischen The Boss Hoss und Rea Garvey auffallend viel Raum ein. Statt die Kandidaten vorzuführen, zickten sich die Juroren gegenseitig an.

In der dritten Staffel sind nun zwei Neue dabei, ihre Rollen sind schon klar definiert: "Sunrise Avenue"-Frontmann Samu Haber gibt an Stelle von Garvey den erfahrenen Rocker und bringt als Finne mit drolligem Deutsch internationalen Touch in die Jury (das macht er nebenbei bemerkt aber sehr gut). Ex-"Freundeskreis"-Sänger Max Herre, Nachfolger von Xavier Naidoo, ist der deutschsprachige Underdog - der, dem man einen Platz in einer Casting-Jury doch eigentlich nicht zutrauen würde. Und in diesen klar verteilten Rollen kämpfen die Coaches auch um die Kandidaten.

The Voice of Germany Anti-Genre mit Suchtfaktor
Zum Finale von "The Voice of Germany"

Anti-Genre mit Suchtfaktor

"The Voice of Germany" will anders sein als die üblichen Casting-Shows - und hat damit großen Erfolg. Schon vor dem Finale am Freitag gilt eine Fortsetzung als sicher. Aber was macht den Erfolg der Show aus, in dem Juroren wie Nena und Xavier Naidoo nach talentierten Nachwuchskünstlern suchen? Zeit für eine Analyse.   Carolin Gasteiger

So ist man auch nach der Auftaktsendung der dritten The-Voice-Staffel am Donnerstagabend geneigt zu glauben, die Einzigen, um die es eigentlich gehe, seien die Coaches. In der Jury sitzen die wahren Kandidaten. Denn viele von denen, die auf der Bühne stehen, sind bei ihrem Talent nicht unbedingt darauf angewiesen, in einer Castingshow aufzutreten. Warum also das alles?

Weil The Boss Hoss vor kurzem ein neues Album veröffentlicht haben, weil Max Herres jüngste Platte schon wieder eine Weile her ist und Nena sich mit ihrer festen Rolle als Jurymitglied zur Ruhe setzen will? Wahrscheinlich ja, ja und ja.

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Im Grunde wäre es also ein Leichtes, einfach nicht mehr einzuschalten. Und The Voice of Germany als Promo-Tour und Karriere-Kurbel für alle zu sehen, die in der Jury sitzen. Sollen die doch munter vor sich hin juroren. Es wäre leicht - wären da nicht diese Gänsehaut-, äh, "Hühnerhaut"-Momente, wie sie Jury-Neuling Samu Haber nennt.

Wenn sich ein blonder Junge auf die Bühne stellt - was er vorher vielleicht zwei-, dreimal getan hat - und singt, als ginge es ihm in dem Moment nur um diesen einen Song. Wenn ein junger Mann von 27 Jahren, der viel älter aussieht, Elton Johns "Rocketman" schmettert, dass es einem kalt den Rücken runterläuft (hier der Auftritt im Video) und das Publikum sogar eine Zugabe einfordert - auf solche Momente kommt es bei The Voice of Germany an.

Natürlich passen diese Momente hervorragend zur Choreographie der Show: Der letzte Kandidat der Auftaktsendung schart die Jurymitglied auf der Bühne um sich wie begeisterte Fans, Nena spricht vom "schönsten Moment, den ich in drei Jahren erlebt habe". Aber warum nicht? Der Mann ist eben gut. Und beschert Hühnerhaut - gerne mehr davon.