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"The Third Day" auf Sky:Horror im Inselparadies

Das Sky Original 'The Third Day' in der Originalfassung bei Sky

Sam (Jude Law) will in "The Third Day" aus der Isolation ausbrechen - ob ihm die Insel dabei hilft?

(Foto: © HBO;Plan B;Punchdrunk;S/obs)

"The Third Day" mit Jude Law spielt auf der englischen Insel Osea. Die Psychohorror-Serie bietet verstörende Bilder, tolle Naturaufnahmen - und innovative Formen der Produktion.

Von Benjamin Ansari

Auf den ersten Blick wirkt The Third Day wie eine Anthologie-Serie: Die ersten drei Folgen spielen im Sommer, die nächsten drei im darauffolgenden Winter. Die beiden Teile haben unterschiedliche Protagonisten, Regisseure, Drehbuchautoren, Atmosphären. Später aber laufen die zwei Erzählstränge raffiniert zusammen - schade, dass die Psychohorror-Miniserie von HBO und Sky zumindest am Anfang vor allem altbekannte Genrekost serviert.

Der erste Teil, "Sommer" (Regie: Marc Munden) folgt Sam (Jude Law): Der läuft durch den verlassenen Wald, in dem einst die Leiche seines ermordeten Sohnes gefunden wurde. Dort sieht er, wie sich ein junges Mädchen an einem Strick zu erhängen versucht. Im letzten Moment rettet er es, bringt es nach Hause auf die Insel Osea.

Eine einzige Straße führt vom Festland zum Eiland. Der schmale Damm auf die übrigens real existierende Insel ist täglich nur wenige Stunden, bei Ebbe, passierbar. Schließt sich dieses kurze Zeitfenster, schließt sich die Verbindung zur Außenwelt. Von dieser Prämisse nährt sich das Drehbuch, und so ist es kein Spoiler zu sagen, dass Sam die Insel so schnell nicht mehr verlassen wird.

Folk-Horror-Symbole und Bildsprache mit der Brechstange

"Sommer" ist gespickt mit Symbolen und Motiven des Folk-Horrors, die an Genrefilme wie "The Wicker Man" oder "Midsommar" erinnern. Regisseur Munden zeigt ekstatische Prediger, psychedelische Drogen und heidnische Opferrituale. Insulaner, die Tiermasken tragen und wie in Trance um ein Lagerfeuer tanzen, inszeniert er in einer auf dem Kopf stehenden Plansequenz, einer Abfolge ohne Schnitte. Verstörend ist das und doch vertraut; oft jedenfalls wünscht man sich mehr Subtilität.

Munden aber gestaltet Bildsprache mit der Brechstange: In Großaufnahmen zeigt er Sam, wie er qualvoll in große Spiegel blickt, immer und immer wieder, um seine Zerrissenheit zu verdeutlichen. Das wirkt schnell ermüdend, und auch die eine oder andere Heuschrecke weniger als Menetekel der Verdammnis hätte nicht geschadet.

Anders dagegen: der zweite Teil, "Winter". Regisseurin Philippa Lowthorpe inszeniert präziser, ruhiger, mehr Atmosphäre, weniger Spektakel. Der Familienurlaub von Helen (Naomie Harris) und ihren beiden Töchtern auf Osea erweist sich als Albtraum: Wie Sam auch hat Helen mit den Schatten der Vergangenheit zu kämpfen. Ihr verdrängter Schmerz scheint immer kurz davor zu sein, in Wut umzuschlagen. So spiegelt die widerständige Insel die isolierte Psyche einer Außenseiterin, die sich selbst behaupten muss, um sich und ihre Töchter nicht zu verlieren.

Zwischen Sommer und Winter liegt der Herbst, und in dem Fall das Bonbon der Produktion. Serienschöpfer Dennis Kelly und Felix Barrett kündigen eine zwölfstündige Live-Performance an, die beide Serienteile verbinden soll: Eine einzige Kamera wird Jude Law und einigen anderen Darstellern in Echtzeit auf der Insel folgen. Den Livestream zeigt Sky Arts einmalig am 3. Oktober, die zwölf Stunden lassen sich auch über die Facebook-Seite von Sky ansehen.

Der Herbst von The Third Day ist also eine gefilmte Performance, die Mediengrenzen überwindet. Ein Hybrid aus Film und Theater. Zwar kann man der Serienhandlung auch folgen, wenn man die Performance verpasst; trotzdem ist das mutig und innovativ, vielleicht sogar richtungsweisend für künftige Produktionen.

Der heimliche Star der Serie ist und bleibt jedoch Osea. Die Insellandschaft ist von surrealer Schönheit, mal seltsam verzerrt, mal einladend pittoresk - immer aber grandios eingefangen von Benjamin Kračun. Seine Kamera ist wacklig, rast durch Gerstenfelder, stellt sich auf den Kopf, schwirrt wie eine Heuschrecke um Sam und Helen herum, um dann wieder nach oben zu schweben und den überfluteten Damm nach Osea einzufangen. Spätestens dann ist kein Entrinnen mehr möglich - und als Zuschauer ist man darüber gar nicht mehr so betrübt.

The Third Day, bei Sky Ticket* und Sky Go*; Performance "Autumn" auf facebook.com/SkyTV.

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© SZ/ebri/cag
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