Süddeutsche Zeitung

Serie "The L Word: Generation Q":Frauen lieben Frauen

Die US-amerikanische Erfolgsserie "The L Word" hat einst Maßstäbe gesetzt. 16 Jahre später wird sie fortgeführt: "The L Word: Generation Q".

Von Patrick Heidmann

Los geht es - natürlich! - mit Sex. Leidenschaftlicher, lauter, lesbischer Sex, bei dem auch ein bisschen Regelblut den Spaß nicht verderben kann. Erotik und Amouröses unter Frauen war schon vor 16 Jahren das Alleinstellungsmerkmal der Serie The L Word . Dahinter kann nun der Ableger The L Word: Generation Q (ab 15. April jeden Mittwoch zwei Folgen bei Sky) natürlich nicht zurück.

"Wenn Frauen Frauen lieben" lautete damals im deutschen Fernsehen der Untertitel der Serie, die Maßstäbe setzte in Sachen lesbischer Sichtbarkeit auf dem Bildschirm. Konzipiert wurde sie als weibliches Gegenstück zu Queer as Folk (und in gewisser Weise auch als homosexuelle Antwort auf Sex and the City), nach sechs Staffeln war Schluss. Zehn Jahre später hat sich nun einiges getan in Sachen LGBTQ-Repräsentation, und natürlich sind auch an der Neuauflage The L Word: Generation Q , für die statt Schöpferin Ilene Chaiken nun Marja-Lewis Ryan verantwortlich zeichnet, diese Veränderungen nicht vorbeigegangen. Der Titel deutet es an: die neue Generation definiert sich in erster Linie als queer.

Ein Wiedersehen mit den Protagonistinnen von früher bietet die neue, zehn Folgen umfassende Staffel (eine weitere ist bereits bestellt) natürlich trotzdem. Bette Porter (Jennifer Beals), inzwischen von Tina getrennt, zieht die gemeinsame Tochter größtenteils alleine auf und steckt mitten im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt von Los Angeles. Alice (Leisha Hailey) feiert Erfolge als Talkshow-Moderatorin und muss im Familienalltag ihrer Freundin noch ihren Platz finden. Und Shane (Katherine Moenning), zurück in der Stadt und in Scheidung befindlich, versucht sich mit Abenteuern aller Art abzulenken.

Die drei Freundinnen noch aus The L Word zu kennen, steigert das Vergnügen der neuen Serie ohne Frage, und Ryan und ihr Autorinnen-Team geben sich Mühe, immer wieder Anspielungen an frühere Handlungsstränge einzuflechten. Doch auch als Neuling kann man The L Word: Generation Q problemlos folgen, schon weil eine Handvoll jüngerer Figuren gleichberechtigt Raum einnimmt in den Geschichten, darunter Dani (Arienne Mandi), die bei Bette als PR-Manager anheuert, ihre Verlobte Sophie (Rosanny Zayas), die wiederum als Produzentin für Alices Show arbeitet, oder ihr Mitbewohner Micah (Leo Sheng), ein Transmann auf der Suche nach schwuler Liebe.

Wo The L Word früher vorgeworfen wurde, viel zu wenig inklusiv zu sein (ganz zu schweigen davon, dass eine Cis-Frau damals eine Trans-Figur spielte), lässt sich Generation Q in Sachen Diversität nun nichts zu Schulden kommen, sowohl in den Drehbüchern als auch im Ensemble. Das sorgt für eine gewisse Wahrhaftigkeit, genauso übrigens wie die Tatsache, dass statt in Kanada dieses Mal wirklich in L.A. gedreht wurde. Daran, dass die Serie in erster Linie eine Hochglanz-Seifenoper ist, die in Sachen authentischer Konflikte durchaus tiefer schürfen könnte, hat sich allerdings nichts geändert. In der Darstellung queerer Lebensrealitäten gibt es längst komplexere Serien, von Work in Progress über Pose bis Vida. Für sonnendurchflutete Kurzweil voller Liebesdramen und Sexszenen taugt The L Word: Generation Q aber ohne Frage.

The L Word: Generation Q, bei Sky Ticket* und Sky Go*

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Quelle:
SZ vom 17.04.2020
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