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Neue Darstellerin der Queen:Krönchen, wechsel dich

Imelda Staunton bei der Premiere des Kinofilms Downton Abbey auf dem 14. Internationalen Filmfestival von Rom / Festa de

Hat so gar keine royalen Allüren, ist aber ein Star in Großbritannien: Imelda Staunton, zukünftige Netflix-Queen.

(Foto: imago images/Future Image)
  • Vor wenigen Tagen sickerte die Nachricht durch, dass Imelda Staunton offenbar die Queen in der 5. und 6. Staffel der Netflix-Erfolgsserie The Crown spielen soll.
  • Die 63-Jährige ist in Großbritannien eine Schauspielikone und für ihre Herzlichkeit und ihr geerdetes Auftreten bekannt. Ob die Drehbuchautoren diese Eigenschaften auf die Hauptrolle in den finalen Crown-Staffeln übertragen werden, bleibt abzuwarten.
  • Unsicher ist auch, wie die Serie enden soll - schließlich nähert sich die dargestellte Zeitspanne schrittweise der Gegenwart und der echten Queen.

Der Hype ist schon ausgebrochen, Werbung geschaltet, die Tickets stehen online längst zum Verkauf, dabei startet die Show erst in zehn Monaten. Dreißig Wochen lang wird Imelda Staunton von August an auf der Bühne des berühmten Adelphi Theatre in London stehen und mit der Hauptrolle in "Hello, Dolly" abräumen, so wie sie es immer tut.

Staunton ist ein britischer Musiktheater-Star und ansonsten das, was Judi Dench und Maggie Smith zwanzig Jahre lang waren: erste Wahl für praktisch alle guten Theater-, Fernseh- und Filmrollen im Land, bei denen ältere Damen besetzt werden. Lange war in der Szene gemutmaßt worden, Bette Midler würde die Hauptrolle in der Londoner Inszenierung spielen, nachdem sie bereits am Broadway als Mrs. Dolly Gallagher Levi enorm erfolgreich gewesen war, aber nun ist es Staunton. Eine britische Schauspielikone, deren Namen außerhalb des Königreichs kaum jemand kennt. Dabei war sie die Amme in Shakespeare in Love, Mrs. Umbridge in den Harry-Potter-Filmen, Vera Drake in dem gleichnamigen preisgekrönten Sozialdrama von Mike Leigh. Sie hat schon fast alle großen Musicals gesungen, Dutzende historische Dramen und Komödien bereichert, und ist zuletzt als Hofdame der Queen in Downton Abbey eingefallen. Filmisch gesehen. Im Privatleben ist sie in der Downton Abbey quasi zu Hause: Ihr Mann Jim Carter spielt in der mittlerweile berühmten Serie den Butler Carson.

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Imelda Staunton also. Vor wenigen Tagen sickerte die Nachricht durch, dass die 63-Jährige wohl auch die nächste Queen in der 5. und 6. Staffel der Netflix-Erfolgsserie The Crown geben soll. Das Erstaunen im Königreich war gering; es dominierte vielmehr die Ansicht: wer sonst? Die Frage war eher, wie sie das schaffen will, wo sie doch unentwegt in "Hello, Dolly" singen, tanzen und Paare verkuppeln muss.

Bisher hält sich Staunton mit Interviews zu den Royals und ihrer künftigen Rolle als britische Monarchin konsequent zurück; ihr Agent vertröstet auf das kommende Jahr. Vielleicht will Staunton der aktiven Queen, Olivia Colman, aber auch nicht die Schau stehlen. Diese schließt gerade die vierte Staffel ab und ist im Königreich überlebensgroß auf Hunderten Plakatwänden zu sehen.

Staunton steht vor einem vagen Auftrag - denn wie die Serie enden soll, ist unklar

Und dann ist da ja noch eine große Unbekannte: die echte Queen. Die Monarchin ist mittlerweile 93, und auch wenn sie immer noch erstaunlich rüstig ist, öffentliche Termine wahrnimmt und mit ihrem skandalumwitterten Sohn Andrew sogar ausreitet, so bleibt doch stets das Risiko, dass Elizabeth II. in den kommenden Jahren das Zeitliche segnen könnte.

Die Macher von The Crown sollen daher, wie Branchendienste berichten, unschlüssig sein, wie und wann Staffel 6 endet. An einem historisch einschneidenden Datum für die Krone? Mit dem fiktiven Tod der Queen? Ein sensibles und im schlimmsten Fall hochnotpeinliches Unterfangen. Staunton, welche die Queen im Alter spielen soll, steht also, rollentechnisch, vor einem vagen Auftrag und einem offenen Ende.

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Derzeit recherchieren Historiker und das Team von Drehbuchautoren rund um Peter Morgan noch die Themen, die in den kommenden Staffeln aufscheinen sollen. Alles rund um Lady Diana Spencer natürlich. Gewiss ist auch, dass das "annus horribilis" vorkommen muss, das für die Royals besonders grauenhafte Jahr, wie es die Queen 1992 in einer Rede in der Guildhall in London selbst bezeichnet hatte: Prinz Andrews Trennung von seiner Frau Sarah fiel in diese Zeit, ein Feuer in Windsor, und die Scheidung von Prinzessin Anne. Und, vielleicht am peinlichsten: die Veröffentlichung der Bekenntnisse von Diana gegenüber ihrem Biografen Andrew Morton - plus jede Menge dreckige Wäsche, die in dem Buch gewaschen wurde. Auch das, natürlich, in den künftigen Staffeln: 1997 starb Diana in Paris bei einem Autounfall auf der Flucht vor Paparazzi. Und 2002 starben innerhalb kurzer Zeit Prinzessin Margaret und die Mutter der Königin. Die Queen Mom hat Imelda Staunton übrigens schon mal gespielt, allerdings nicht lange und vor Jahren, in einer BBC-Serie.

Die Produzenten hatten sich laut Guardian schon vor den ersten Folgen, die 2016 ausgestrahlt wurden, entschieden, alle zwei Staffeln den Cast auszutauschen. So sollte vermieden werden, dass junge Menschen auf alt geschminkt werden - und die überaus realistisch anmutende Wirkung der Erfolgsserie geschmälert würde.

Clarire Foy spielte eine Königin mit Hollywood-Allüren. Olivia Colman legte ihre Rolle völlig anders an

Claire Foy war die erste, die junge, schöne, zarte Netflix-Königin: von der Hochzeit 1947 bis zum Profumo-Skandal und der Geburt von Prinz Edward 1963. Auch Foy hatte zuvor schon einmal eine Königin gespielt: die unglückliche Anne Boleyn, Gattin von Heinrich VIII., die bekanntlich auf dem Schafott endete. Für ihre Rolle als junge Elizabeth, glücklich verheiratet mit Philip Mountbatten, höchst unglücklich hingegen angesichts der Überforderung in einer Position, für die sie sich zu unerfahren, zu naiv fühlte, bekam sie den Golden Globe und einen Emmy. Sie habe sich vor der Rolle gefürchtet, sagte sie in Interviews: vor den kritischen Augen der Welt, vor der Größe der Aufgabe, und auch davor, dass die Briten in The Crown ihre Queen suchten - und dann nur sie fänden.

Foy spielte eine zugängliche, eine noch nicht verhärtete, eine humorvolle Königin, die Sex, Liebeskummer, Scham, Tränen, Wut, Spontanität kannte. Olivia Colman, ihre Nachfolgerin, legte die Rolle völlig anders an. Sie verkörpert die Queen von ihren Mittvierzigern bis Anfang 60. Ihre Queen ist kühl, kontrolliert, rational, nicht sinnlich. Colman spielt Elizabeth zudem betont unkörperlich, sie sitzt steif, sie reduziert ihre Mimik, sie spricht wie ein Roboter: knapp, bisweilen bitter. Auch sie hatte schon Erfahrung als britische Monarchin: Als eine der besten Schauspielerinnen Großbritanniens bekam sie für ihre spektakuläre Darstellung der hysterischen, kranken, lesbischen Queen Anne in The Favourite unter anderem den Oscar.

Gekonnt, aber nicht glamourös - so fielen die Kritiken für die aktuelle Staffel aus

Die Kritiken für Staffel 3 von The Crown sind dennoch verhalten. Die Verfilmung sei überwältigend und doch ein wenig farblos. Gekonnt, aber nicht glamourös - so wie das wirkliche Leben der Royals. Die Atmosphäre im Palast sei angespannt, das Personal eingesperrt in Konventionen - unflexibel und distanziert.

Claire Foy, schreibt der Independent, sei betörend gewesen, habe aber "ein bisschen zu viel Hollywood-Aura verbreitet". Colman hingegen präsentiere die Elisabeth, "die wir kennen und für gegeben nehmen. Irgendwie erschreckend banal: eine Monarchin, die rote Bänder durchschneidet und dich mit ihren Ansprachen einschläfert". Es sei nicht zu übersehen, dass Peter Morgan, Erfinder der Serie, nicht einfach nur das Personal ausgetauscht habe. "Er hat völlig neue Charaktere erfunden."

Wie und was Morgan für die dritte, die alte, die müde, die pflichtbewusste, die öffentlich verstummte Queen schreiben wird, ist ungewiss. Imelda Staunton kommt aus einem Arbeiterhaushalt, sie gilt als geerdet und herzlich. Sie vermeide, wenn sie könne, Glamour, Repräsentation und schöne Kleider, betont sie oft. Außerdem hasse sie Lärm, Angeberei und Small Talk. "Das Wort 'Celebrity' macht mich krank." Sie sei, so Staunton, im Grunde ihres Herzens nur eine "hart arbeitende Schauspielerin". Das indes könnte sie, ob sie nun den Part übernimmt oder nicht, mit der echten Queen gemeinsam haben.

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