Netflix-Serie über Royals:Die Thronfolgerin

Netflix-Serie über Royals: Imelda Staunton als neue Queen Elizabeth II. bei Netflix.

Imelda Staunton als neue Queen Elizabeth II. bei Netflix.

(Foto: Alex Bailey)

Imelda Staunton spielt Queen Elizabeth II. in den kommenden Staffeln der erfolgreichen Netflix-Serie "The Crown". Was erwartet Royalisten und Fans?

Von Helena Zacher

Senffarbene Schluppenbluse, Perlenschmuck, die ergrauten Haare gewellt. Mit strengem Blick und geschürzten Lippen blickt Imelda Staunton als Queen Elizabeth II. am Beobachter vorbei, leicht nach oben, schließlich muss die Königin immer das große Commonwealth im Blick haben oder jedenfalls die Familie mit ihren mal leicht verschrobenen, mal exaltierten Mitgliedern. Ernsthaft wirkt das erste Bild, das der amerikanische Streamingdienst Netflix nun von der neuen "Queen" in der Serie The Crown veröffentlichte - staatstragend wie die echte Elizabeth II. Und war sie nicht immer so in den neuesten Staffeln? Da konnten die jungen Royals es noch so doll treiben, da konnte das Drama um Prinzessin Diana in wunderschönen poppigen Bildern für eine neue Generation erzählt werden - die Rollerskates im Palast! - und andere Diana-Exegeten aufregen. Da konnte im Königreich eine Riesendebatte losbrennen darüber, wie nah all die TV-Ränke in der von Kennern des Königshauses beratenen Serie am echten Leben der Royals seien. Aber die Queen blieb auch als Serienfigur stets so haltungsvoll, wie es der echten Königin auch im Privaten nachgesagt wird. Aber wer kennt die Queen schon wirklich - und würde darüber sprechen?

Während man also auf die angekündigten Memoiren von Prinz Harry wartet, die in dieser Hinsicht die einzige Hoffnung sind, übernimmt nun ab der im kommenden Jahr geplanten fünften Staffel Imelda Staunton die Rolle der britischen Monarchin. Sie folgt damit gewissermaßen der Golden-Globe-Gewinnerin Claire Foy sowie Oscar-Preisträgerin Olivia Colman auf den Thron: Während Foy die ersten Jahre der Regentschaft - von 1947 bis in die 60er-Jahre - spielte, übernahm Colman ab Staffel drei die Zeitspanne von 1964 bis 1977. Staunton, 65, soll nun die jüngst vergangenen Jahre im Leben der Queen übernehmen. Jonathan Pryce - bekannt aus Game of Thrones, aber auch als bemerkenswerter Jorge Mario Bergoglio in dem Vatikan-Drama Die zwei Päpste - soll Prinz Philip spielen. Elizabeth Debicki (Tenet) ist Diana und Dominic West (The Affair) ihr Gatte Prinz Charles.

The Crown S4

Olivia Colman als aktuelle Queen Elizabeth II.

(Foto: Ollie Upton/Netflix)

Der fünfte Teil der Serie dürfte, so viel verraten hier schon die Geschichtsbücher, turbulent werden: Die Scheidungen von Prinzessin Anne und Prinz Andrew, der Brand von Schloss Windsor 1992, die Ehe von Prinz Charles und Diana.

Angesichts des Erfolges der Serie sowie der preisgekrönten Vorgängerinnen sind die Erwartungen hoch, die auf Imelda Staunton lasten. Ihre bisherigen Rollen sind da recht vielversprechend: In der Rolle der sadistischen Hogwarts-Lehrerin Dolores Umbridge lehrte die gebürtige Britin 2007 in Harry Potter nicht nur Daniel Radcliffe, Rupert Grint und Emma Watson das Fürchten, sie war auch für die Zuschauer recht beeindruckend. Bei genauere Betrachtung pflegt Dolores Umbrige sogar einen ähnlichen Kleidungsstil wie die Queen, allerdings weniger elegant und weit weniger dezent. Trotzdem verwirrend.

Mehrere Jahrzehnte lang spielte Staunton auf den großen Bühnen Großbritanniens, dort spielte sie Glanzrollen wie Dorothy in "The Wizard of Oz", Mama Rose im Musical "Gypsy" oder Martha in "Who's Afraid of Virginia Woolf?" Im Kino war die 65-Jährige unter anderem an der Seite von Keanu Reeves und Emma Thompson in Kenneth Branaghs Viel Lärm um nichts zu sehen, sie spielte die Amme von Gwyneth Paltrow in Shakespeare in Love und war an der Seite von Angelina Jolie in Maleficent. Für ihre Darstellung der Vera Drake in dem gleichnamigen Sozialdrama von Mike Leigh erhielt Staunton 2005 eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin. Vera Drake ist insofern eine Seltenheit in der Filmografie von Imelda Staunton, als sie zwar in sehr vielen Filmen ausgesprochen wichtige, tragende Rollen übernahm, diese Parts aber seltener Hauptrollen waren.

Claire Foy, 1

Claire Foy spielte die junge Queen bis zum Serienjahr 1964.

(Foto: AP)

Was zu einer gar so nicht ganz einfach zu beantwortenden Frage führt: Ist die Titelrolle der Queen eigentlich auch die Hauptrolle in The Crown? Steht im Mittelpunkt der Serie nicht in Wirklichkeit weniger die Königin als Person, sondern vielmehr das, was sie repräsentiert - einen Staat, eine Dynastie? Und eine Familie, die in einer sich stetig wandelnden Welt kooperativ sein, ihre monarchische Rolle immer neu definieren muss. Spielt die Hauptrolle in The Crown nicht vielmehr die gemeinsame Inszenierung als Familie? Und sind 73 Millionen Zuschauer weltweit nicht eigentlich verführt von dem Gefühl, ein wenig hinter diese Inszenierung lugen zu können?

Imelda Staunton, die in der Serie Downton Abbey die königliche Hofdame Lady Maud Bagshaw spielte, wird auf diese schwierige Frage spielend eine Antwort finden.

© SZ/tyc
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