RBB-Fußballshow "11 Freunde TV":Nur die Satire sitzt

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Im Gegensatz zum RBB-Sport ist 11 Freunde an die Konfrontation mit fremden Strukturen gewöhnt. Gegründet im Jahr 2000 in der Wohnung von Kösters damaligem Mitstreiter, gestalten die Macher seit 2006 bei jeder Fußball-WM und -EM mit dem Tagesspiegel dessen Sonderseiten "11 Freunde täglich".

Auch der Wechsel zu einem großen Club hat geklappt: Seit 2010 hält Gruner + Jahr 51 Prozent der Anteile. "Die Leute nehmen uns nicht als Großverlagstitel wahr", meint Köster. Assoziiert werde 11 Freunde nicht mit dem Stern, nicht mit Geo, "sondern ausschließlich mit uns selbst". Man lebe auch davon, "dass 11 Freunde ein geschlossener Kosmos ist, mit eigenen Werten und Codes."

Anders als das dank einer liebevollen Optik, vieler Rubriken und längerer Lesestücke trotzdem nicht nur für Nerds zugängliche Heft gibt sich 11 Freunde TV in der ersten Sendung abschreckend sperrig: In irrwitzigem Tempo und mit abrupten Schnitten wird von Thema zu Thema gesprungen und von Interviewpartner Thees Uhlmann zu Interviewpartner Arne Friedrich. Und zurück. Und so weiter. Ergebnis ist kein Gespräch, sondern ein ermüdendes Dauerfeuer an Talkschnipseln. Für RBB-Sportmann Walsdorff ist 11 Freunde TV "modern, schnell, intelligent und trotzdem witzig".

Am gelungensten sind noch die Beiträge, über die Großkrise beim HSV etwa und einen scheidenden Fanfunktionär, der mit Gleichgesinnten einen neuen Verein gegründet hat.

Doch angesichts lauter Talking Heads und ausgiebiger Schwenks durchs menschenleere Stadion erschließt sich auch hier der Mehrwert gegenüber einer Magazinreportage nicht so recht. Dem Medium Fernsehen gerecht wird 11 Freunde TV nur im Satirischen, etwa wenn man einen fiktiven Tag im Leben des freigestellten Hoffenheim- und früheren Nationaltorwarts Tim Wiese aus dessen Perspektive nacherzählt. Als der eine 11 Freunde-Ausgabe in die Hände bekommt, wirft er sie schnell ungelesen weg: "Überflüssig!"

Hoffnung auf Geduld beim RBB

Als Urteil über 11 Freunde TV wäre das zu hart, aber auf gut Fußballerdeutsch kann man wohl sagen, dass die Sendung ihre Form noch finden muss. Philipp Köster wundert sich immer, wenn 11 Freunde-Fans die ersten Ausgaben glorifizieren. "Dabei war vieles darin großer Mist." Bei 11 Freunde TV baut er auf die Geduld des RBB: "Ich glaube, dass wir Zeit brauchen, um uns zu entwickeln."

11 Freunde TV, RBB, 23 Uhr.

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