Tatort Wien Gastfreundlich ist man in Österreich nur zu Touristen

Im Steinbruch ist etwas passiert: Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) mit dem Ortspolizisten (Stefan Pohl).

(Foto: ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert M)

Im Wiener "Tatort" wird ein Flüchtling ermordet. Der erste Fall nach der Sommerpause ist politisch relevant - und ein gelungener Krimi.

Von Katharina Riehl

Etwas länger als zwei Monate dauerte die Tatort-Sommerpause in diesem Jahr, aber dank einer gewissen gnädigen Vergesslichkeit des Publikums macht der Tatort die Konkurrenz am Sonntagabend quotenmäßig ja auch mit Geschichten von gestern platt. Man könnte glatt auf den Gedanken kommen, dass es womöglich ein kleines bisschen wurst ist, was die ARD jede Woche unter der Marke "Tatort" ins Land sendet.

Aber das ist natürlich echt gemein, zumal es diese Woche zum Saisonauftakt im liebsten deutschen Fernsehkrimi mal wieder gesellschaftlich relevant wird. Die Wiener Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner ermitteln in der Gemeinde Pöllau in der Steiermark, wo ein Afrikaner erschlagen in einem Steinbruch gefunden wurde. Da der Film den Titel "Virus" trägt und auch die ARD-Website kein Geheimnis daraus macht, ist wohl erlaubt zu spoilern: Der tote Mann hat nicht nur ein Loch im Schädel, sondern ist auch an Ebola erkrankt. Er wäre, erklärt der Gerichtsmediziner, ein paar Tage später ohnehin gestorben.

Typologie der Tatort-Kommissare

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Kann man nächsten Sommer gut wiederholen

Der Film aus Wien ist wohl auch als Beitrag zur österreichischen Einwanderungsdebatte zu verstehen, jedenfalls sagt einer in Pöllau irgendwann: "Wir leben in Österreich, gastfreundlich ist man zu den Touristen." Im Steinbruch der Gemeinde arbeiten Flüchtlinge, ein Arzt betreibt auf seinem Hof eine kleine Asylunterkunft, und der Kniff dieser Geschichte ist, dass sich im Dorf einfach gar niemand darüber aufregt. Der Flüchtlings-Tatort, sonst ein Untergenre des Problem-Tatorts, zeigt hier einmal - ganz im Sinne eines konstruktiven TV-Kriminalismus - wie es auch gutgehen könnte.

Dann aber Ebola, Katastrophenfall und die mahnende Botschaft, dass das Leid zwar in Afrika wütet, aber Afrika auch nur ein paar Flugstunden entfernt ist von der österreichischen Provinz. Das ist weniger verfilmte UN-Broschüre, als man meinen könnte, auch weil das Drehbuch von Rupert Henning (Regie: Barbara Eder) voll auf Pointe geschrieben ist. Dem Film hilft das, etwa wenn Markus Schleinzer als Einsatzleiter Dr. Rottensteiner auftritt, der ein volkshochschulreifes Referat zur Bedrohung durch Ebola so vortragen kann, als sei es eine Stand-up-Nummer. Alles in allem ein sehr ordentlicher Krimi; kann man nächsten Sommer sicher gut wiederholen.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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