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"Tatort" aus Hessen:Krimizertrümmerung vom Feinsten

ARD zeigt 'Tatort: Angriff auf Wache 08'

Hauptkommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) schaut durch die Jalousien - eine Szene aus der "Tatort"-Folge "Angriff auf Wache 08".

(Foto: dpa)
  • Der Tatort am Sonntag kommt von Regisseur Thomas Stuber und ist ein Remake von John Carpenters "Assault - Anschlag bei Nacht".
  • In "Angriff auf Wache 08" wird eine Polizeiwache irgendwo mitten im nirgendwo angegriffen.

Die Tatorte vom HR sind, wie Aficionados wissen, viel mehr als Krimis. Man hört die feinen Dialoge, man überlegt sich, in welchem Film man dies oder das schon mal irgendwo mitbekommen hat. Die Geschichten sind auch Reminiszenzen an Filmklassiker, aber weil bei den Hessen so viel Kreativität und, ja, Liebe zum Detail im Spiel ist, entsteht immer etwas neues Schönes. In der legendären Folge "Im Schmerz geboren" haben sie Shakespeare und Tarantino miteineinander in Berührung gebracht, und Anfang des Jahres erlebte Kommissar Murot (Ulrich Tukur) seinen Murmeltiertag.

Am Anfang von "Angriff auf Wache 08" kommt gleich eine irre Szene. Ein Rollkommando der Polizei auf dem Weg in eine Wohnung, Männer in schwerer Montur schieben sich durch Flure, aber weil all das unterlegt wird von My girl von den Temptations, wird eine leichte Choreografie daraus, in die das Fingerschnippen genauso eingepasst ist wie das Hecheln eines Hundes in seinem Korb.

Eine Kombination aus Thriller, Western, Action- und Horrorfilm

Die Episode von Thomas Stuber (Buch Clemens Meyer) ist ein Remake von John Carpenters Assault - Anschlag bei Nacht, dort ist eine runtergekommene Polizeidienststelle wesentlicher Ort der Handlung, hier ist es die alte Polizeiwache nahe Offenbach, genannt "O-Town". Es begegnen sich Murot, sein früherer Polizistenfreund Walter Brenner (Peter Kurth), ein Mädchen mit Knarre, eine Verkehrspolizistin sowie Häftlinge aus einem gestrandeten Gefangentransport. Eine doch sehr heterogene Gruppe, die irgendwie eins werden muss - weil sie von draußen angegriffen wird.

Schöne Kombination aus Thriller, Western, Action- und Horrorfilm, die Vorlage wird lässig in die deutsche Provinz verlagert. "In dieser Hitze raus nach Butzbach - ich kotz im Kübel", sagt ein hessischer Schutzmann, da weiß man gleich, wo und woran man ist. Eine herrlich entschlossene Zertrümmerung der Sonntagabendkrimitradition mal wieder, aber auch Traditionalisten kriegen dosiert ihren Stoff: "Wenn sich der Abschaum der Welt zusammenrottet, dann gnade uns Gott", murmelt Polizist Brenner. Darauf kann man sich einigen, in Zeiten wie diesen.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.