"Tatort: "Tschiller: Off Duty" Tschiller will sein Mädchen zurück

Der Gesichtsausdruck zeigt es schon: Nick Tschiller, gespielt von Til Schweiger, ist mit der Gesamtsituation unzufrieden.

(Foto: 2016 Warner Bros Ent. Alle Rechte vorbehalten.)

An diesem Sonntag ist der Kino-"Tatort" mit Til Schweiger zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen. Wer stirbt in "Tschiller: Off Duty"? Und welchen Schweiger-Spruch sollten sich andere Actionhelden merken?

Von Johanna Bruckner

Was passiert im Kinofilm "Tschiller: Off Duty"?

Nick Tschillers Tochter, Lenny, will es allein mit dem Mörder ihrer Mutter aufnehmen. Wir erinnern uns: Tschillers Ex-Frau Isabella Schoppenroth wurde in Teil drei, "Der große Schmerz", von Firat Astan erschossen. Der sah das Ganze als "Arbeitsunfall" an, was den Kommissar natürlich nicht daran hinderte, ihn in Teil vier, "Fegefeuer", seiner gerechten Strafe zuzuführen. Nein, nicht dem Tod, sondern einer lebenslangen Gefängnisstrafe. Schließlich gehört Tschiller in die Kategorie "moralisch gefestigter Held, der nur dann tötet, wenn es eine ethisch vertretbare Begründung gibt, oder es der Plot verlangt".

Jedenfalls sitzt Astan nun im türkischen Knast, zumindest offiziell, tatsächlich lebt er unter anderer Identität in Freiheit. Deshalb reist Lenny mit der gefälschten Unterschrift ihres Vaters und einem Racheplan im Gepäck nach Istanbul. Dort angekommen, gerät sie prompt an einen übergriffigen Taxifahrer. Der arabische Klischee-Triebtäter wird auf typische Tschiller-Art eingenordet ("Should I shoot your fucking balls off?"). Doch dann stellt Lenny fest, dass es noch viel bösere Buben gibt als Firat Astan. Man ahnt es schon - am Ende muss Papa Nick ran und die Tochter aus den Fängen einer türkisch-russischen Mädchenhändler-Schrägstrich-Organhändler-Connection retten. Zitat: "Ich will einfach nur mein Mädchen zurück!"

Wird viel gestorben?

Nicht mehr als in einem durchschnittlichen Actionstreifen, in dem der Held wahlweise die Welt, sein Land oder eben seine Familie retten muss. Obligatorisch stirbt etwa ein Dutzend krimineller Handlanger, die für den Plot nicht weiter wichtig sind, sowie etwa die gleiche Anzahl an Polizisten, die sich entweder zu dumm anstellen oder für Tschiller mal eben als menschliche Kugelfänger herhalten müssen. Anders verhält es sich mit den Hauptfiguren: Nachdem die gute Seite vor Kurzem ein Opfer verschmerzen musste (die trutschige Isabella), segnen in "Tschiller: Off Duty" gleich mehrere Erzschurken das Zeitliche. Ach ja, und ein Totgeglaubter kehrt sehr lebendig zurück - wobei dieser Twist so erwartbar ist wie die Enttäuschung beim Öffnen eines Überraschungseis.

Männer, Mähdrescher

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Streift der Film auch politische Themen?

Und wie! Hier nur ein paar Beispiele:

  • Datensicherheit im Netz (Lenny vergisst die Chatprotokolle zu löschen - endet böse.)
  • Entfesselte Geheimdienste (Böse, böse, böse.)
  • Energiegeschäfte zwischen der Türkei und Russland (Eine Öl-Pipeline, die "Blackstream" heißt, kann assoziativ nur dubios sein: schwarzes Gold, schwarze Seelen.)
  • Pressefreiheit in der Türkei (Nicht vorhanden. Erfährt Tschiller von einer ausnehmend attraktiven Hotelangestellten, die ihm von ihrem inhaftierten Blogger-Bruder erzählt. Die beiden trösten sich dann gegenseitig.)
  • Homophobie in Russland (Vorhanden. Tschillers Partner Yalcin Gümer setzt ein Zeichen und greift dem Kommissar vor der versammelten russischen Presse an den Po. Ein Kompliment für dessen formidablen "Gluteus Maximus" fällt auch ab.)

Bester Auftritt?

Fahri Yardım als Yalcin Gümer. Der darf gleich zu Beginn zeigen, dass sein eigener Hintern mindestens so lobenswert ist wie der von Til Schweiger. Yalcin findet sich nach einem Date mit einer Frau, die "null Komma nuttig" war, wie er Tschiller versichert, nackt, mit Geschlechtsteilen bemalt und mit Handschellen gefesselt wieder. Der Kommissar außer Dienst muss ihn raushauen. Ansonsten ist aber eher Yalcin der Retter in der Not.

Er erklärt Tschiller, was mit seiner Tochter los ist ("Sie will dich bischchen hassen und verlassen"). Er holt Tschiller als Anwalt verkleidet aus dem türkischen Knast ("Wie ich diese Pflichtfälle hasse"). Er besorgt Tschiller einen türkischen Pass ("Es gibt ja wohl auch noch blonde Kanaken"). Er lässt sich fast von einem Mähdrescher zermalmen (dazu gleich noch), wird beinahe gefoltert und ist mehrmals kurz vor dem Erschießungstod. Und trägt er es seinem Partner nach? Nein, er sagt: "Nicky, ich hab' dich auch lieb."

Im letzten Teil kam eine Panzerfaust zum Einsatz - ist das waffentechnisch überhaupt noch zu toppen?

Absolut. In "Tschiller: Off Duty" wird ein Mähdrescher zur tödlichen Waffe. Das Landmaschinenfahrzeug erinnert an einen amerikanischen Monster Truck, stammt aber tatsächlich von einem bekannten deutschen Hersteller.

Volle Feuerkraft voraus

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Nick-Tschiller-Spruch, den sich andere Actionhelden merken sollten?

"I burn your house down and I kill you all."

Dieser Text erschien bereits zum Kinostart von "Tschiller: Off Duty" im Jahr 2016. Zur TV-Ausstrahlung am Sonntag dem 8. Juli um 20.15 Uhr in der ARD veröffentlichen wir ihn erneut in leicht abgeänderter Form.

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