Tatort "Stuttgart" Im Inneren der biedersten Biedermänner

Die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller, l) und Sebastian Bootz (Felix Klare) müssen den Fall eines Paares lösen, das Rache am Mörder der Tochter nimmt.

(Foto: dpa)

Die Tochter eines Ehepaares wird gefoltert, getötet, entsorgt. Die Zuschauer kennen den Täter, der Plot ist gut sortiert und alles wäre schnell auserzählt, wenn nicht einer der Kommissare in den Fall hineingezogen würde.

Von Holger Gertz

Warum kommt denn eigentlich nicht mal wieder'n anständiger Bankraub?, fragen manchmal Zuschauer, die sich auch schon mal verirren in den unterschiedlichen Zeitebenen, auf denen so ein Tatort inzwischen ja gern erzählt wird.

Dieser Fall aus Stuttgart, "Der Preis des Lebens", ist anders als viele andere Fälle und durchschaubarer als die gegenwärtige Echtwelt mit ihrem Fußballsumpf. Die Tochter des Ehepaars Mendt (Robert Hunger-Bühler, Michaela Caspar) ist gefoltert, getötet, entsorgt worden; die Eltern sind Erloschene, und als der Mörder ihres Kindes (David Bredin) aus dem Gefängnis entlassen wird, nehmen sie Rache. Sie bringen etwas ins Gleichgewicht, wo nichts mehr ins Gleichgewicht zu bringen ist. Sie sind zu konstruktivem Tun nicht länger in der Lage; alles, was sie noch tun können, ist destruktiv.

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Der Mörder ihrer Tochter, sagt die Mutter, habe "drei Leben zerstört". Das ist eine überflüssige Beschreibung, weil doch jeder sehen kann, dass das Haus der Mendts zwar so aufgeräumt ist, als käme bald Besuch. Aber da kommt niemand mehr - und wenn, dann ist es nicht der, auf den man wartet.

Die Zuschauer kennen den Täter, auch die Kommissare wissen, wo die Reise hingeht, da wäre also der Film schnell auserzählt, wenn nicht Regisseur Roland Suso Richter und Autor Holger Karsten Schmidt dafür sorgen würden, dass Kommissar Bootz (Felix Klare) in die Geschichte mit hineingezogen wird.

Jetzt dann: Spoileralarm. Der Plot ist so sortiert gebaut, dass man alles komplett verriete, wenn man nur ein Detail ausbreitete, und das beschreibt die Qualität als auch die Schwäche. Die Qualität: Kein Zuschauer muss ratlos zurückbleiben. Die Schwäche: Den im Flüsterton eingesprochenen Dialog zwischen Recht und Rache hat man öfter schon gehört, man hat auch schon oft den Abgrund gesehen, der sich im Inneren gerade der biedersten Biedermänner auftut. Und der drohende oder unerträgliche Kindsverlust ist, als leading idea, strapaziert in vielen Episoden.

Ein spannender Tatort, bei dem sich die Spannung aber immer auch aus der Frage ableitet, ob die Sache böse ausgeht, wie beim Tatort aus Dortmund vergangene Woche. So profitiert am Ende wieder mal der konventionelle Ansatz vom unkonventionellen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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