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Tatort aus Stuttgart:Ein Tatort, in dem vieles wehtut

ARD zeigt Stuttgarter ´Tatort: Anne und der Tod"

Im Stuttgarter Haus des Ehepaars Hinderer kniet Altenpflegerin Anne (Katharina Marie Schubert) vor ihrem Patienten Christian (Christoph Bantzer).

(Foto: dpa)

"Anne und der Tod" entwickelt sich zu einem subtilen Psycho-Spiel mit den Sympathien des Publikums. Die Dramaturgie dieses Tatorts ist clever abgeschaut von einem bewährten Verfahren: der heiligen Inquisition.

In diesem Stuttgarter Tatort sind die Ermittler Lannert und Bootz unerträglich. Zwei freudlose Männer, die wirklich jeden abschätzig behandeln. Sogar der Tee im Revier wird strengstens überwacht, weil er sonst so gemein ist und zu lange zieht. Böse, böse.

Aber auf Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) kommt es diesmal kaum an, weil "Anne und der Tod" ein sorgfältig inszenierter Krimi für eine Solistin ist. Das ist etwas Besonderes, und besonders ist auch Katharina Marie Schubert, die dieses Solo beeindruckend ausspielt: ein sich über mehrere Tage hinziehendes Verhör, unterbrochen von Rückblenden, Ermittlungen, von Szenen, wie sie geschildert werden, aber vielleicht gar nicht waren. Anne ist Altenpflegerin und wird vernommen, weil innerhalb von zwei Wochen gleich zwei ihrer Patienten gestorben sind. "Ab wann ist es eine Serie? Ab drei Toten?", fragt sie Bootz, und Lannert weiß: "'Todesengel' steht dann manchmal in der Zeitung." Worauf dann auch der Verdacht hinausläuft, den Anne kopfschüttelnd Punkt für Punkt zu entkräften sucht, manchmal ein bisschen schusselig, fast heiter. Vor allem ist Anne eines: anständig.

Die Dramaturgie dieses Tatorts ist clever abgeschaut aus dem historisch bewährten Verfahren der heiligen Inquisition (Buch: Wolfgang Stauch; Regie: Jens Wischnewski). Wird geleugnet, muss man nur dringlicher befragen. Die beiden Freudlosen lassen nicht von Anne ab, sie halten sie von Anfang an für schuldig. Der Zuschauer dagegen wird sie mehr und mehr für eine grundgute Person halten. Als sie nichts mehr gegen Anne haben, fragt Lannert: "Was machen wir jetzt?" Und Bootz entgegnet: "Jetzt muss es wehtun."

Es gibt vieles in diesem Tatort, das wehtut. Ungefähr in der Mitte ist man beim blanken Elend des Pflegenotstands und der Frage, ob das wirklich fesselnd sein soll oder nur sehr, sehr deprimierend. Auch die missmutigen Kommissare fühlen sich betroffen und denken nach: "Ich komme langsam in das Alter, wo regelmäßiger Stuhlgang eine Gnade sein kann", sagt Lannert. Danke dafür. Diesen Tatort vielleicht lieber ein andermal.

"Anne und der Tod" aber entwickelt sich dann zu einem subtilen Psycho-Spiel mit den Sympathien des Publikums. Da wird es dann ein anständiger Krimi.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.