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"Tatort" aus Saarbrücken:Wald und Gewalt

Tatort: Der Herr des Waldes

Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und Adam Schürk (Daniel Sträßer) stehen im Wald.

(Foto: SR/Manuela Meyer)

Der "Tatort" aus dem Saarland zeigt zwar tolle Bilder, ist aber heillos überfrachtet.

Von Holger Gertz

Vor einem Jahr, auch am Ostermontag, schickte der Saarländische Rundfunk sein neues Ermittlerpaar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) und Adam Schürk (Daniel Sträßer) an den Start, zwei dekorativ unrasierte Menschen, die sich zufällig im Kommissariat wiederbegegneten, obwohl sie schon als kleine Jungs beste Freunde gewesen waren. Das gern strapazierte dunkle Geheimnis wirkte auch hier: Schürk war als Kind von seinem Vater malträtiert worden, weshalb Hölzer den brutalen Vater Schürk mit einem Schlag ins Koma befördert hatte. Nun ist der aufgewacht, nach 15 Jahren.

An diesem Ostermontag stellt sich in der Episode "Der Herr des Waldes" die Frage: Was weiß der frisch Erwachte noch von damals? Allein dieser Strang hätte vernünftig auserzählt werden sollen, aber die Geschichte poppt immer nur auf und versinkt dann im großen Ganzen, weshalb die Verstörtheit von Ermittler Schürk zwar ausgestellt, aber nicht ergründet wird. Regisseur Christian Theede und Autor Hendrik Hölzemann hatten schon die Folge im vergangenen Jahr überfrachtet, was bei Premierenstücken öfter vorkommt; danach spielt sich dann, auf der Basis des Erzählten, vieles ein.

Die Kommissare fassen eine volle Minute lang den Ermittlungsstand zusammen

Diesmal aber legen sie noch jede Menge drauf. Eine junge Frau wird im Wald ermordet, die Frau hatte viele Verehrer, weshalb es viele potenzielle Täter gibt, womöglich aus der Gruppe der radikalen Umweltaktivisten, die - wie üblich im Tatort - Klischeefiguren sind und Klischeetexte aufsagen. Der alte Schürk hat natürlich auch was mit dem Fall zu tun, es gibt noch einen vergilbten Lehrer sowie einen Waldmenschen vom Schlage des frühen Highlanders Christopher Lambert, der nicht sprechen kann, was die komplizierte Gesamtsituation zusätzlich kompliziert.

Bezeichnend ist ein Dialog im Auto gegen Ende, in dem die Kommissare eine volle Minute lang den Ermittlungsstand zusammenfassen, das klingt dann so: "Der Lehrer fährt jedes Mal weit weg, sucht sich seine Opfer im Wald. Dazwischen wartet er normalerweise viele Jahre, doch die Frau in Frankreich holt er sich zwölf Tage, nachdem dein Vater ihm entwischt ist. Und die Sache lässt ihm keine Ruhe."

Mal wieder zu viel Stoff für knapp neunzig Minuten, nicht nur der Herr des Waldes steht im Wald. Dafür ist die Kameraarbeit von Tobias Schmidt beeindruckend, tolle Bilder aus der gewaltreichen Vergangenheit und der waldreichen Gegenwart. Beim Tischfußball kann man die Figuren an ihren Stangen sogar von unten beobachten, durch einen Glasboden. Diese Klarsichtigkeit hätte dem ganzen Saar-Tatort gutgetan.

Das Erste, Ostermontag, 20.15 Uhr.

© SZ
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