Tatort Saarbrücken Dieser Tatort kann Spuren von Wortwitz enthalten

Schlurft nicht mehr in Gummistiefeln durchs Panorama: Devid Striesow als Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink.

(Foto: SR/Manuela Meyer)

In Saarbrücken trägt der Tote Schweineschwänzchen. Aber zumindest der Kommissar wurde auf Normaltemperatur runtergeregelt.

TV-Kritik von Holger Gertz

Inzwischen haben sie beim Saarländischen Rundfunk ihrem Kommissar Stellbrink allerlei esoterische Eigenarten ausgetrieben, er wohnt zwar noch in einer Art XXL-Wintergarten, schlurft aber nicht mehr in Gummistiefeln durchs Panorama. Nach einigen Vollkatastrophen zu Beginn seiner Amtszeit ist Stellbrink auf Normaltemperatur runtergeregelt, ein sanfter, aber kein wunderlicher Kommissar. Und weil man dem Schauspieler Devid Striesow grundsätzlich gern zuschaut, ist an der Ermittlerfront soweit alles besser geordnet als früher. Der Star steht im Zentrum. Seine Sidekicks, Staatsanwältin Nicole Dubois und Kollegin Lisa Marx, sind Figuren, die sonst eher am Nachmittag im trüben Meer der SOKO-Erzählungen treiben. Diesmal haben sie nur noch Alibi-Auftritte, in denen sie keinen (Dubois) oder nur geringen (Marx) Schaden anrichten können.

Jenseits von Stellbrink bleibt allerdings vieles abenteuerlich in dieser Geschichte um Väter und Ersatzväter und Söhne und Familienhöllen insgesamt. Mehrere Opfer gleich am Anfang. Es geht darum, wer einen toten Mann im Beerdigungsinstitut geschändet hat. Die Leiche wurde so geschickt mit einem Schweineschwänzchen (!) verziert, dass es auf den Handyvideos so aussieht, als wäre der Mann auch körperlich jenes Schwein gewesen, das er vom Sozialverhalten her offensichtlich war. "Söhne und Väter" von Regisseur Zoltan Spirandelli (auch Buch, mit Michael Vershinin), ist ein sehr konventionelles Mörderraten, das Spuren von Wortwitz enthalten kann.

Sagt ein Junge: "Wir sind ein halbes Jahr zusammen."

Antwortet das Mädchen: "Wir waren zusammen. Präteritum."

Sagt der Junge: "Präteritum am Arsch."

An der Heiterkeit allerdings verheben sie sich dann gleich wieder, der Tatort bemüht sich derart beflissen um komödiantischen Charme, dass geradewegs Murks dabei herauskommt. Wenn der Plot durchhängt - schneidet man halt eine sinnfreie Nacktszene rein. Oder: Die Chefin eines Fleischwarenimperiums tritt auf, die Imperatorin des Weller-Wurst-Clans, sie spricht im sehr eigenen Klang der Region. Ohne sichtbaren Anlass verwandelt sich die Wurstpatriarchin in eine Westernheldin und erschießt ein Motorrad. Schließlich pflegt der Kommissar eine Chat-Romanze mit einer unbekannten Frau, irgendwann steht die erste Begegnung der beiden bevor, die Frau wird ein "Beer makes me horny"-T-Shirt tragen, damit der Kommissar sie auch erkennt. Wer diese Frau wohl sein wird? Während der Anbahnungsphase packt einen bereits leichter Grusel, man denkt: So können die das unmöglich auflösen, das bringen die nicht mal beim Saarländischen Rundfunk. Aber dann tritt die Frau leibhaftig ins Bild, und das "Beer makes me horny"-T-Shirt ist noch das geringere Übel dieser bemerkenswert albernen Pointe.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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