FernsehenARD zeigt „Tatort“ schon am Freitag

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Verliert der Sonntag seinen Reiz? Mit dem „Gelben König“ mit Maria Furtwängler ist erstmals ein „Tatort“ schon vor der TV-Premiere zu sehen.
Verliert der Sonntag seinen Reiz? Mit dem „Gelben König“ mit Maria Furtwängler ist erstmals ein „Tatort“ schon vor der TV-Premiere zu sehen.
NDR/Frizzi Kurkhaus

Schon zwei Tage vor der Fernsehausstrahlung laufen die Sonntagskrimis künftig für eingeloggte Nutzer in der ARD-Mediathek. Was dahintersteckt – und warum es ein Risiko ist.

Von Claudia Tieschky

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Am nächsten Sonntag geht mit dem Furtwängler-Krimi „Der gelbe König“ die längste „Tatort“-Sommerpause aller Zeiten zu Ende, die ARD nutzt den Start für eine neue Ausstrahlungsstrategie. Wobei Sonntag nicht ganz richtig ist: Von kommender Woche an ist die jeweils neue Folge von „Tatort“ und „Polizeiruf“ nicht erst zur TV-Ausstrahlung in der ARD-Mediathek verfügbar, sondern bereits am Freitag, teilt der Senderverbund mit. Dafür muss man allerdings ein Mediathek-Nutzerkonto mit Namen und Mailadresse erstellen und sich einloggen. Mit einem Login bei der ARD ist man zugleich beim ZDF angemeldet. „Tatort“ und „Polizeiruf“, schreibt Programmchefin Christine Strobl in der Mitteilung, würden schaffen, was kaum ein anderes Format erreiche: „Am Montag sprechen so viele Menschen über denselben Fall.“ Die Vorabpremiere ab Freitag sei gemacht „für alle die, die nicht bis Sonntag warten können“.

Ein Hintergrund der Entscheidung zur Freitags-Premiere dürfte auch sein: ARD und ZDF setzen auf personalisierte, gemeinsame Empfehlungssysteme für registrierte Nutzer, um regionale oder altersspezifische Zielgruppen besser zu erreichen. Sie haben deshalb ein Interesse daran, dass sich möglichst viele Zuschauer einen Account zulegen, auch wenn die Inhalte ohne Registrierung voll zugänglich sind. Die Sender betonen, dass sich die Empfehlungssysteme von denen der Tech-Konzerne unterscheiden, das ZDF klärt etwa auf einer eigenen Webseite über seine Algorithmen auf. Optional ist die Angabe des Geburtsdatums, mit der man etwa Inhalte, die zum Beispiel erst für die Altersgruppe ab 16 Jahren freigegeben sind, jederzeit in der Mediathek sehen kann, statt erst ab 22 Uhr. Für die „Tatort“-Vorabpremiere in der Mediathek ist eine Altersangabe nicht nötig.

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Im linearen TV liegen die Zuschauerzahlen der Sonntagskrimis bei durchschnittlich knapp 8,3 Millionen Zuschauern (2025), im Spitzenwert bei bis zu 13 Millionen. Über die TV-Nutzung hinaus würden „Tatort“ und „Polizeiruf“ durch Mediatheken-Abrufe rund zehn Prozent zusätzliche Reichweite erzielen, teilt die ARD mit. Aktuell befinden sich die Ermittlerteams der Sonntagskrimis im Generationenwechsel, etwa nach dem fulminanten Abschied von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl an Ostern aus dem München-„Tatort“. In der kommenden Saison starten deshalb besonders viele neue Ermittlerteams, etwa in Kiel, München oder Franken. Der MDR hat dagegen gerade angekündigt, aus Kostengründen für drei Jahre bei „Tatort“ und „Polizeiruf“ zu pausieren.

Die neue Vorab-Strategie dürfte helfen, mehr Zuschauer für einen Account in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken zu gewinnen. Ob sie aber auch den Sonntagskrimis wirklich nützt, kann man zumindest anzweifeln: In Zukunft müssen „Tatort“-Fans, die ihren Krimi ritualisiert am Sonntagabend schauen, Social Media ab Freitag komplett meiden, um nicht zwangsweise zu erfahren, wer der Mörder ist und wie der Krimi ausgeht. Es ist riskant für die Marken „Tatort“ und „Polizeiruf“, die Einzigartigkeit des kollektiven TV-Erlebnisses am Sonntag aufzugeben, die es sonst im Fernsehen so nicht mehr gibt.

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