Tatort "Ordnung im Lot" Warum sich die Statistiker quälen werden

Wenn der Plot im Ganzen hinkt, muss die Kommissarin am Ende die Kritzeleien einer Verwirrten entschlüsseln, um den Fall zu lösen. Im Tatort aus Bremen befällt den Zuschauer das Gefühl, dass die Rolle eines psychisch Gestörten schon zu oft in den Drehbüchern der Fernsehkrimis stand.

Von Holger Gertz

Tatort-Fans sind Statistik-Fans, nach der vergangenen Episode aus Wien haben sie sich in den einschlägigen Foren über die Leichendichte ausgetauscht: der Flachbildschirm durchsiebt, 15 Tote, so viele gab es noch nie. Der Pulverdampf vernebelte den Blick auf das, was bemerkenswerter war: die Relevanz der Geschichte, der brüchige Witz der Ermittler, die Klasse des Hauptdarstellers. Die Spannung, die sich, trotz der vielen Schüsse, mehr anschlich als aufdrängte.

Kriminalhauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) ermittelt mit Hauptkommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) am Tatort Bremen.

(Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg)

Diesmal kommt der Tatort aus Bremen, und die Statistiker werden sich mit der Frage quälen, zum wievielten Mal die Rolle eines psychisch gestörten Menschen im Drehbuch steht. Tatsächlich: ausgesprochen oft.

Einem verwirrten Menschen ist alles zuzutrauen, er kann der Täter sein, er kann nur vorgeben, der Täter zu sein, und wenn er bemerkenswerte Fähigkeiten hat, kann er den Täter eher finden als die Polizei, was beim Ermittlungstempo des Duos Lürsen/Stedefreund nicht mal die besondere Leistung wäre.

Ein Mord ist geschehen, an einer Tankstelle in Bremen Nord. (Frage an die Statistiker: Wie oft war eine Tankstelle schon der Tatort im Tatort?) Die Verwirrte wohnt gleich gegenüber, beeindruckend gespielt von Mira Partecke. Die Verwirrte ist allergisch gegen Ameisensäure, sie spricht eine eigene Sprache. "Da kommt Blut aus Tomic", sagt sie, und wenn einer tätowiert ist, hat er "bestickte Haut".

Die Dialoge sind präzise, aber die Handlung zieht und dehnt sich, am Ende entschlüsselt die Hauptkommissarin die Kritzeleien der Verwirrten, weil aus Kritzeleien immer alles herauszulesen ist, wenn der Plot im Ganzen hinkt. Es bleibt die Erinnerung an Wien vor einer Woche, und die Erwartung an München, nächste Woche. Nur zwei Tote wird es da geben, aber die Geschichte ist wahnsinnig gut.

Tatort "Ordnung im Lot" in der Das Erste Mediathek