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"Tatort" aus Münster:Spannung? Aber doch bitte nicht an Weihnachten

ARD zeigt 'Tatort: Väterchen Frost' aus Münster

Natürlich ist der Tatort aus Münster auch gelegentlich ganz unterhaltsam. Das erschöpft sich jedoch schnell.

(Foto: dpa)
  • In "Väterchen Frost", dem neuen Tatort aus Münster, gibt es gleich zu Beginn die Chance auf Tempo, als Kollegin Nadeshda Krusenstern gekidnappt wird.
  • Die Kommisare Thiel und Boerne sind jedoch alles andere als beunruhigt. Und der Vorrat an Weihnachtswitzen ist auch längst aufgebraucht.

Dem Ermittler Frank Thiel (Axel Prahl) und seinem Hilfsgeist Professor Boerne (Jan Josef Liefers) kommt am Anfang gleich mal die Kollegin Nadeshda Krusenstern abhanden. Sie wird gekidnappt vom einem Weihnachtsmann, der sich mit russischem Stimmklang alsbald bei Thiel am Telefon meldet: "Wir Frau wehtun-säährrr weh!" Normalerweise ist das die Konstellation, die todsicher etwas Tempo in die ganze Angelegenheit bringt: Krusenstern (Friederike Kempter) in der Gewalt eines russischen Weihnachtsmannes, bedrohlicher geht's ja nicht. Es gestaltet sich dann aber so, dass Thiel und Boerne von der Gesamtsituation überhaupt nicht beunruhigt sind, sie ermitteln in gewohnter Weise verspielt vor sich hin, weil sie am besten wissen: So ein Spannungsbogen wird eh überschätzt. Sogar der russische Bär aus Thiels Alpträumen ist aus Plüsch.

Dass Spannung im sogenannten Krimi in Münster kaum nachweisbar ist, ist nun nichts Neues, und wenn etwas anderes die Lücke füllt, kann man sich's ja trotzdem manchmal ganz gut ansehen: kreativer Irrsinn, Sprachwitz. All das ist in der Folge "Väterchen Frost" von Torsten C. Fischer (Buch Jan Hinter und Stephan Cantz) aber leider auch nur in Spurenelementen vorhanden. Weil dieses Abenteuer hier die sogenannte Weihnachtsfolge ist, ächzt das Stück unter einer doppelten Last. Er ist einerseits der bereits 36. Fall mit Thiel und Börne, da sind alle Spielarten des Buddy-Humors allmählich durchprobiert. Und andererseits ist der Vorrat an Weihnachtswitzen von Loriot und der Familie Heinz Becker und etlichen anderen geplündert worden, das Thema gibt nichts mehr her.

Thiel reißt einem vorbeivagabundierenden Weihnachtsmann am Bart - und da ist der Mann, haha, eine Frau. "In der Stadt sollte man Terroralarm ausrufen - Konsumterroralarm!" verfügt Thiels taxifahrender Vater, weil so ein bisschen Kapitalismuskritik ja zu jedem Gespräch unterm Tannenbaum gehört - wenn allen auffällt, dass wieder zuviel Geschenke angeschafft worden sind. Ach, die weihnachtlichen Rituale sind so abgestanden wie viele Gags im Weihnachtstatort. Natürlich ist es auch gelegentlich ganz unterhaltsam, dem Boerne dabei zuzuzuhören, wenn er darüber nachdenkt, ob er an einem Uhrenaufziehseminar teilnehmen soll. Insgesamt ist dieser Tatort aber langweilig. Säährrr langweilig.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

© SZ vom 21.12.2019/tmh
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