"Tatort" aus Münster:Räuberpistole in Cord

"Tatort" aus Münster: Ein Münster-"Tatort", angereichert durch die klassischen Zutaten Bienengift und Luftröhrenschnitt.

Ein Münster-"Tatort", angereichert durch die klassischen Zutaten Bienengift und Luftröhrenschnitt.

(Foto: Frank Dicks/WDR)

Im Münsteraner "Tatort" spielt Detlev Buck einen durchgeknallten Schriftsteller. Der lässt die Ermittler Thiel und Boerne etwas blass aussehen.

Von Claudia Fromme

Die toten Augen von Münster, sie blicken einen kalt und leer an. Kann das sein, dass er wirklich tot ist? Unfassbar.

Rückblende, ein paar Tage zuvor: Der neue Stadtschreiber wird feierlich ins Amt eingeführt. Stan Gold (Detlev Buck) heißt er, und er darf in der edlen Stadtwohnung von Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) wohnen, der sich dafür auf der Bühne ausführlich loben lässt. Schaumwein fließt, und Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) traut seinen Augen nicht: Das ist doch Hotte Koslowski, die Flachpfeife, mit der er mal in einer Klasse war! Hotte heißt heute Stan und ist jener Starautor, der mit einem Buch über seine Jahre im Dschungel von Paraguay berühmt geworden ist. Demnach stürzte er mit einem Flugzeug über Südamerika ab und landete erst bei einem indigenen Stamm und dann bei einem Rebellenführer. Stan trägt nicht nur ein Cordsakko, sondern auch noch eine Cordweste darunter. Soviel Musenklischee muss sein.

Detlev Buck spielt den Starautor mit Lässigkeit und Witz

Thiel soll Hotte-Stan bewachen, damit der die nächsten Tage überlebt. Ein mysteriöser Pablo trachtet ihm angeblich nach dem Leben, einer aus dem Dschungel. Ein irrer Fall für die Ermittler aus dem fahrradklingeligen Münster, in dem Guerilleros sehr viel seltener sind als Milchvieh. Tischt der Cordträger ihnen eine Räuberpistole auf? Andererseits schleicht da ständig eine Person mit schwarzem Hoodie in Stan Golds Nähe herum, am Ende fällt ein Schuss und tatsächlich stirbt ein Mensch. Ein anderer ist dafür doch nicht tot.

Detlev Buck spielt in "Der Mann, der in den Dschungel fiel" den durchgeknallten Starautor mit großer Lässigkeit und absurdem Witz. Richtig spannend ist dieser Krimi zwar nicht, aber für Spannung ist der Tatort aus Münster auch nicht unbedingt bekannt. Die Story von Thorsten Wettcke (Buch) und Till Franzen (Regie) rückt den Protagonisten allerdings dermaßen ins Licht, dass Thiel und Boerne etwas blass aussehen, auch in ihrem Hauptfach Humor. Angereichert durch Zutaten alter Münster-Krimis wie Bienengift und Luftröhrenschnitt wirkt der Film auf der Ermittlerseite ein wenig abgehangen, was dem großen Auftritt Bucks wiederum sehr dienlich ist.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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