"Tatort" aus München:Gern noch einen Tee

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Aus Leitmayr und Batic (Udo Wachtveitl, rechts, und Miroslav Nemec) wird Detective Chief Inspector Francis Lightmyer und Detective Constable Ivor Partridge. (Foto: BR)

Very british: Der Weihnachts-"Tatort" schickt die Kommissare Batic und Leitmayr zum Ermitteln in ein Kostümstück wie von Agatha Christie.

Von Holger Gertz

Franz Leitmayr und Ivo Batic sind in ihrem 90. Fall beim Assistenten Kalli Hammermann eingeladen, der empfängt sie bereits verkleidet und bittet die Kommissare zu einem Krimi-Dinner, einer Art Rollenspiel. Womit der moderne Mensch eben sich und seine Freunde beim feierlichen Anlass gerne so quält. Leitmayr und Batic (Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec) machen widerwillig mit und verbringen den Rest des Abends dann am Sitz des Earl of Cumberledge, wo Heiligabend 1922 eine Leiche gefunden wird. Leitmayr amtiert als Detective Chief Inspector Francis Lightmyer, Batic als Detective Constable Ivor Partridge, beiden steht ihr altenglischer Schnauzbart ausgesprochen gut. Wie überhaupt, diese tolle Kostümierung: fühlt sich an wie das Haus am Eaton Place, wie Downton Abbey, wie Agatha Christie natürlich auch. Da gibt es dicke Orient-Teppiche, die trotzdem nicht alle Störgeräusche schlucken, da gibt es Menschen und Kater, die Arthur, Heather, Chester heißen. Und jeder könnt's gewesen sein.

Der Weihnachts-"Tatort" ist immer etwas zwischen Hohoho und Hahaha - und es gab schon schlimmere

Ein Whodunit zum zweiten Feiertag, warum denn nicht? Der Tatort hat schlimmere Weihnachtsepisoden überstanden, Lachnummern aus Saarbrücken und zuletzt die entgleiste Folge mit Maria Furtwängler und den Lindenberg-Doubles im Hotel Atlantic , wo man "den Wald vor lauter Udos" nicht mehr sehen konnte. Der Weihnachts- Tatort als solcher, der originell und traditionell sein will, sondiert sehr gründlich das Spannungsfeld zwischen Hohoho und Hahaha.

Diesmal ist es solide, Regisseur Jobst Oetzmann und Autor Robert Löhr bieten mit "Mord unter Misteln" einen Familienfilm an, von dessen Ausstattung die Protagonisten selbst erstaunt sind. Sagt Batic, also Partridge: "Hier sieht's aus wie bei Rosamunde Pilcher." Aus der Krimi-Kategorie fällt das Stück raus, weil ein Krimi irgendwie dann doch spannend zu sein hat, "Mord unter Misteln" ist es nicht. Dafür aber gemütlich. Man macht sich gern noch einen Tee. Und sieht, dass Lightmyer und Partridge am Ende doch wieder Leitmayr und Batic sind, zwei alte Knaben im lockigen Haar. Wer das erleben will, muss aber lange durchhalten.

Das Erste, 26. Dezember, 20.15 Uhr.

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