"Tatort" aus München:Schlafes Brüder

Lesezeit: 2 min

Tatort: Dreams

Nicht alle Instrument gehen in der Episode mit Ivo Batic (Miroslav Nemec, l.) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) kaputt - der Soundtrack vom Münchner Rundfunkorchester ist hörenswert.

(Foto: Hendrik Heiden/BR/NEUESUPER GmbH)

Batic und Leitmayr ermitteln unter Orchestermusikern. Dass die Verdächtige nicht genau weiß, was real ist, soll die Sache spannend machen. Klappt aber nicht.

Von Holger Gertz

Dass dem Sonntagabendkrimi die Stoffe allmählich ausgehen, ist kein Wunder - irgendwann ist alles auserzählt. Womöglich erklärt sich aus dieser Notlage heraus der Trend, das Themenfeld zu erweitern und ins Unterbewusste oder Träumerische auszudehnen; vielleicht ist dort noch was zu holen. Im Tatort Münster ist vor Kurzem der Professor Boerne ("Karl-Friedrich mit großem Ich") vorübergehend zum großen Geist promoviert worden, im ersten Münchner Polizeiruf mit der Ermittlerin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) wurde die gewünschte Bewusstseinserweiterung durch Hypnose herbeigeführt, in die ein traumatisierter Junge versetzt wurde. Erst vor ein paar Wochen begab sich die Ermittlerin im Tatort Dresden auf einen psychedelischen Trip. Und in "Murot und das Murmeltier" wurde Murot erschossen, ermittelte aber weiter.

Dass man sich in seinen selbstinszenierten Traumwelten auch gut verlaufen kann, zeigt sich am Sonntag im Münchner Tatort von Boris Kunz (Buch Moritz Binder/Johanna Thalmann). Die junge Orchestergeigerin Marina Eeden (Jara Bihler) will eine Freundin ermordet haben, weiß aber nicht, ob sie das nicht alles doch nur geträumt hat. Die Episode heißt nicht einfach "Träume", sondern gewollt hochtrabender "Dreams". Und auch die Namen auf dem Personaltableau wirken großsprecherisch: Marina Eeden, Lahja Åkerström und - Achtung - Dr. Deah. Wer so heißt, könnte auch eine Neuauflage der Loveparade organisieren.

Das Traumkleid, das der Plot bekommen hat, passt hinten und vorne nicht

Die Schlafforscherin Dr. Deah (Katrin Röver) hat Sprechstunde, sie erklärt den Kommissaren das Phänomen des Klarträumens und beschreibt, dass high performer wie Marina im Traum ihre Leistungsfähigkeit optimieren. Denn darum geht's im Wesentlichen, der brutale Wettbewerb unter Orchestermusikern. Aber weil das als Plot nicht reicht, haben sie dem Ganzen dieses Traumkleid übergezogen, aber das passt hinten und vorne nicht.

Junge Hochleister reden furchtbare Klischeesätze. "Dafür braucht man Screen Time - und Screen Time gibt es für Gewinner." Und Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) schieben sich wie Schlafes Brüder durchs Panorama und versuchen Kekse essend und routiniert herumwitzelnd einer Story Halt zu geben, die ihre Bodenhaftung verloren hat. Was toll ist: der Soundtrack vom Münchner Rundfunkorchester. Der Tatort ist diesmal mehr was zum Hören als zum Sehen. Das spricht nur bedingt für den Tatort.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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