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Tatort München "Allmächtig":Satan dreht Filmchen

BR-Tatort "Allmächtig"

Von links: Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Fritz Kreininger (Matthias Lier) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) im BR-Tatort "Allmächtig".

(Foto: BR/hager moss film GmbH/Bernd Schuller)

Der schmierlappige Albert A. Anast lauert seinen Opfern auf in einer Geschichte, die so erwartbar ist wie plump. Denn schließlich: Journalisten rangieren im öffentlichen Ansehen sogar noch hinter "Tatort"-Drehbuchautoren.

Von Holger Gertz

Diese Rezension wurde erstmals im Dezember 2013 veröffentlicht. Am 18. Juli wird der Fall "Allmächtig" im Ersten wiederholt, weswegen wir den Artikel erneut publizieren.

Vor Kurzem hat sogar das Medienmagazin Zapp darüber berichtet, dass Journalisten im Tatort entweder als Schmeißfliegen, Zeitungsschnepfen oder provinzielle Schreiberlinge dargestellt werden; sie sind korrupt oder sensationsgierig oder dumm oder alles zusammen.

Womöglich liegt diese Interpretation darin begründet, dass der Journalist im öffentlichen Ansehen noch knapp hinter dem Fernsehkommissar und sogar hinter dem Tatort-Drehbuchautor angesiedelt ist. Wer ihn also als Ratte zeichnet, kann sich darauf verlassen, dass das Publikum zustimmend maunzt. Das nennt man Zielgruppenranschmeiße.

Auch in der Episode "Allmächtig" vom BR geht es um einen schmierlappigen Journalisten mit dem bemerkenswert albernen Namen Albert A. Anast. Das Klischeebild wird mit kräftigsten Farben ausgemalt, die Figur grell überzeichnet.

Anast - ein Anagramm von Satan - dreht Filmchen, die im Internet versendet werden, Reality-TV in seiner heftigsten Ausprägung. Anast vernichtet Existenzen. Einen jungen Mann, der verdächtigt wird, ein Neonazi zu sein, sucht er zu Hause auf und spricht die ganze Zeit mit Führerstimme auf ihn ein. Einen Pfarrer springt er von der Seite an und fragt: "Wie darf ich Sie anreden? Herr Gott? Mein Gott? Lieber Gott? Ach Gott? Gott o Gott?"

Schließlich ist da noch Frau Kohlbeck, die in ihrem eigenen Dreck langsam zugrunde geht. Ohne größeren Widerstand lässt sie Anast (Alexander Schubert) in ihre zugemüllte Wohnung und gibt ihm Gelegenheit, mit gespieltem Entsetzen in die Wackelkamera zu blicken. Und das ist dann schon sehr weit weg von allem, was real ist.

"Einfach rein und filmen"

Drei Autoren - Harald Göckeritz, Gerlinde Wolf, Edward Berger - und der renommierte Regisseur Jochen Alexander Freydank erzählen die Geschichte eines diabolischen Reporters, dessen Credo ist: "Einfach rein und filmen". Und die Menschen lassen es geschehen: Niemand, der darauf käme, ihn wegen Rufmords oder Hausfriedensbruchs anzuzeigen.

Die Skrupellosigkeit des Reporters ist so aufgesetzt wie die Hilflosigkeit seiner Opfer, die Kritik an der Verrohung der Sitten in Kommerzmedien und Billig-TV so erwartbar wie plump. Und die Auflösung ist sinnlos pathetisch. Die meisten Münchner Tatorte sind Pflichtprogramm, diesen kann man sich sparen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

© SZ vom 21.12.2013/ihe
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