Tatort Ludwigshafen Der erste Impro-Tatort der Weltgeschichte

Ein ganz besonderer Traum: Mario Kopper (Andreas Hoppe, hinten), Johanna Stern (Lisa Bitter, vorne, l-r), Peter Beck (Peter Espeloer) und Frau Keller (Annalena Schmidt) warten auf den Auftritt der Kommissarin Odenthal.

(Foto: dpa)

In "Babbeldasch" sieht man die Ludwigshafener Ermittler an der Seite von Laienschauspielern improvisieren. Im Grunde seines Herzens ist dieser Tatort aber furchtbar konventionell.

TV-Kritik von Holger Gertz

Die Folge "Babbeldasch" vom SWR ist der allererste Impro-Tatort der Weltgeschichte. Keine vorgegebenen Dialoge, rudimentäres Drehbuch, die Schauspieler mussten improvisieren. Die meisten dieser Schauspieler sind Laiendarsteller eines Ludwigshafener Volkstheaters, weshalb dieser so andere Tatort zuallererst das Sehverhalten des Publikums ändert. Die Kleinen auf der großen Sonntagabend-Bühne: Man schaut den Darstellern zu und fragt sich, ob's wohl sehr peinlich wird. Aber sie spielen ihre Rollen ganz passabel, und es ist nicht verkehrt, dass man mal andere Gesichter sieht als die ewig gleichen, gerade im Tatort. Wer aus der Pfälzer Gegend kommt, hat außerdem den Vorteil, dass er das Gesprochene sogar versteht.

Laien und Profis spielen aneinander vorbei

Schon auf den zweiten Blick erkennt man allerdings die Schwächen der Versuchsanordnung. Die Profis (Ulrike Folkerts und Lisa Bitter als Kommissarin Odenthal und Fallanalytikerin Stern) haben dann doch eine stärkere Bildschirm-Präsenz und ein besseres Gespür fürs Timing als die Laien, es schleicht sich also der merkwürdige Effekt ein, dass Lena Odenthal wie eine Moderatorin wirkt, die ihre eifrigen Mitspieler beruhigt. Laien und Profis spielen aneinander vorbei, obwohl die Regie alles tut, um die Helden der Provinz upzugraden. Durch tragende Hintergrundmusik und mit diesen schnell geschnittenen Verhörszenen, die im Moment in jedem Gebrauchs-Tatort so sehr in Mode sind.

Dieser angeblich ganz andere Tatort von Filmemacher Axel Ranisch ist nämlich inhaltlich und im Grunde seines Herzens ein Tatort der gewöhnlichsten und konventionellsten Art. Dass das Opfer - hier die Theaterchefin - durch ein mit Mohnmasse verunreinigtes Schokocroissant erledigt wird, erweitert zwar das Tableau der Todesursachen am Sonntagabend. Es folgt allerdings: klassisches Mördersuchen mit verschiedenen Fährten und überraschendem Twist am Ende. Biedere komödiantische Sidekicks: Herr Sperling von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd. Unglaubwürdige Zufälle: Odenthal hört auf dem Spielplatz verräterische Dinge, hier im Klang der Region vorgetragen: "Uffpasse, sons bisch du tot." Wenig wird herbeigespielt, vieles wird endlos herbeigebabbelt. Stress im Kommissariat. Kaffee wird getrunken. Die Kaffeemaschin' ist kaputt. Also, trotz Impro: Die Dinge ziehen sich, das Stück ist so furchtbar langweilig.

Die tote Theaterprinzipalin erscheint der Kommissarin dann leider auch noch mehrmals im Traum, als Mischwesen aus Trude Herr und Catweazle. "Kumm roi" lockt sie und droht, den Schlaf auch weiterhin zu stören. Albern, infantil und komplett drüber; wie aus dem Kinderfernsehen reingeschnitten. In den Traumsequenzen wird "Babbeldasch" dann doch noch richtig peinlich.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

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