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Tatort aus Ludwigshafen:Hitze über der Stadt

Tatort: Der böse König

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter, l.) nähern sich einem Verdächtigen.

(Foto: Benoit Linder/SWR)

Im Sonntagskrimi aus Ludwigshafen benehmen sich viele Leute verdächtig. Es wird spannend.

Von Claudia Fromme

Es gibt schönere Tode. Ein Kioskbesitzer stirbt, nachdem ihm einer 73 Cent in die Luftröhre gedrückt hat. Die Leiche hinter dem Verkaufstresen ist mit weiteren Münzen und Scheinen garniert, zusätzlich malträtiert mit einem Baseballschläger, gebettet auf Plastikpfandgut. Ein Stillleben der Demütigung. Oder eines Kontrollverlusts? Verdächtig verhält sich der schöne Antoine mit den guten Manieren. Und der drogenabhängige Stammkunde, dem leicht die Sicherungen durchbrennen. Und der Vorbesitzer des Kiosks, der missmutig sieht, wie sein abgerockter Laden plötzlich brummt.

Im Krimi "Der böse König" flirrt die Sommerluft über Ludwigshafen, die Farben knallen wie die Hitze, die Normalbekloppten spielen Boule und holen Wodka beim Spätkauf. Die Verdächtigen machen sich natürlich: verdächtig. Der Dubioseste von allen ist Anton Maler (Christopher Schärf), ein Loser, der sich als Held aufführt, lieber Antoine heißen will und mit scheelem Lächeln Blumen ins Kommissariat bringt. Damit geht er den Ermittlerinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) unfassbar auf die Nerven und den Zuschauern auch, Schärf spielt seine Rolle gut.

Wie enttarnt man Lügen? Hier gibt es Nachhilfe

Irgendwie aber rumpelt dieser Tatort, bei dem der versierte Krimimacher Martin Eigler Buch und Regie verantwortet. Die Kommissarinnen ermitteln hemdsärmelig, der böse König manipuliert feingeistig - und so findet das Spiel der Charaktere nicht recht zueinander. Zwischendurch gibt es etwas langatmige Nachhilfe von den Ermittlerinnen zum Krankheitsbild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und zur Analyse von Mikroexpressionen - wie sich also anhand flüchtiger Gesichtsausdrücke Lügner zielsicher enttarnen lassen. Bekannt seit der US-Serie Lie to me, die aber auch schon wieder zehn Jahre her ist und weniger nach Schulbank roch.

Hat alles Hand und Fuß, kein Vorwurf, aber die vielen Denkschleifen bremsen den Erzählfluss. Spannend ist dieser Tatort trotzdem, gerade weil der Täter kein überraschender ist. Es geht weniger darum, wer die Münzen in den Rachen des Kioskbesitzers gestopft hat, als um die Frage, welcher Teufel die Person geritten hat, genau das zu tun.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr

© SZ/tyc
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