Tatort-Kolumne Vernünftig geworden

rüher schlug Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) gern mal auf Schrottautos ein. Jetzt tröstet er den elfjährigen Martin (Mats Hugo). Dessen Vater erlag in der Klinik seinen schweren Verletzungen.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Kommissar Faber fing als irrer Schlägertyp in Dortmund an. Jetzt ist er angekommen, bei sich, bei den Zuschauern. Und recherchiert diesmal zwischen Flugplatz und Tennisplatz.

Von Holger Gertz

Kommissar Faber war mal als Irrer angetreten, sein Baseballschläger gehörte zu ihm wie - bei den Peanuts - die Schmusedecke zu Linus. Irgendwann zertrümmerte Faber Schrottautos und seinen Schreibtisch, aber der Wahnsinn hatte ja Methode. Autor Jürgen Werner ließ sich fünf Tatort-Folgen Zeit, den Charakter seines Kommissars zu entwickeln, das war mutig und neu. Der Mann, der so gern verletzt, entpuppte sich als Mann, der verletzt war. Sein halbes Lächeln aus dem viertagebärtigen Gesicht sah von einem bestimmten Moment an nicht mehr zynisch aus, sondern beinahe warm, und irgendwann kam sogar sein stinkiger Mantel in die Wäsche.

Er war - so sagte man das früher - vernünftig geworden. Die Resozialisierung des Ermittlers, gespielt vom geradezu faberhaften Jörg Hartmann, hat dem Publikum gefallen, er ist der Herzenskommissar vieler Zuschauer. In Dortmund nennen sie so was ja echte Liebe. In der Folge "Schwerelos" spielt Faber Tennis, wie es die Angekommenen nun mal tun, allerdings spielt er nachts, und er spielt auf Plätzen, die gewässert werden, während er spielt. Zwischendurch und bei den Verhören ditscht er dauernd den Tennisball auf den Boden.

Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

Zwei Mädels in Dresden, ein Pärchen in Weimar und die Münchner seit 25 Jahren. Alles, was Sie über die "Tatort"-Kommissare wissen müssen - in unserer interaktiven Grafik. Von Carolin Gasteiger und Jessy Asmus mehr ...

Faber wirkt schallgedämpft in dieser Episode

Ein Base-Jumper, stürzt ab, sein Fallschirm war manipuliert. Ein ruhig erzählter und trotzdem spannender Fall, klassischer Aufbau: Wer hatte ein Motiv? Das Gekabbel der Kollegen Nora (Aylin Tezel) und Daniel (Stefan Konarske) mit Eifersüchtigmacherei und Kontrollblicken nervt allerdings gewaltig. Wie im Leben: Wenn einer ewig von seiner On-off-Beziehung redet, kann das irgendwann auch keiner mehr hören. Nach einer Flugstunde schaut Nora ziemlich vorabendprogrammartig in die Gegend und atmet kräftig durch und spürt sich so sehr. Sich verlieren und wieder bei sich ankommen, das ist ja die Leading Idea dieser Folge - irgendwann hat man es dann aber auch begriffen. Und die Springer sind so lärmend abgebrüht. Wenn einer abstürzt? "Dann ist er auf dem Zenit seiner Freiheit verglüht." Ja nun. Einer von ihnen sieht aus wie Marcel Schmelzer, BVB.

Faber wirkt schallgedämpft in dieser Episode von Züli Aladag (Regie) und Ben Braeunlich (Buch). Er tröstet den Sohn des abgestürzten Springers und holt ihn aus dem Krankenzimmer, wo das Beatmungsgerät so grauenvolle Geräusche macht; wie eine Maschine, die stirbt. Man merkt: Faber ist auch leise sehr bewegend. Allerdings, wenn er in seinen runtergewohnten Klamotten vor den rostigen Wänden der Industrieruinen steht, wird er fast eins mit dem Hintergrund. So ist das, wenn einer angekommen ist. Beim nächsten Mal bricht er hoffentlich wieder aus.

ARD, Sonntag 20.15 Uhr