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Tatort-Kolumne:Eiswürfel-Erotik aus Hannover

Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler ist die beliebteste Kommissarin im Land. Und auch an dieser neuen Folge des Hannover-Tatorts lässt sich ablesen, dass sie ihre Sache schlicht sehr gut macht. Ein Kumpel-, Schwester-, Freundinnentyp, der mit unterkühlter Erotik ermittelt. Was zunächst wie ein viraler Spot wirkt, lässt in der zweiten Hälfte das Grauen folgen.

Wer wissen will, wie Deutsche ticken, wird auf ARD-online fündig, dort jeweils sonntags ab 21.45 Uhr im "Tatort-Forum".

Tatort 'Schwarze Tiger, weisse Loewen'

Inhaltlich dreht sich dieser Tatort um den Mord an einem No-Name sowie um dessen labile Witwe. Neben Maria Furtwängler als Komissarin Lindholm (r.) sorgt die ganz herrliche Komödiantin Inka Friedrich als akkurate Land-Kommissarin für großen Witz.

(Foto: dapd)

Der jüngste Tatort mit Ulrich Tukur war, wie sich herumgesprochen haben wird, etwas experimenteller angelegt. In der Bevölkerung hat das zu einer Art Identitätskrise geführt. Im ARD-"Tatort-Forum" stellte einer per Mail am Sonntag um 22.38 Uhr eine Sache grundsätzlich klar: "Als Doppelakademiker sind wir Kunst gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen." Jedoch: "Über solche intellektuellen Anforderungen möchten wir vorab informiert werden und nicht ins Messer laufen, wenn wir uns am Sonntagabend entspannen möchten."

Wer die Süddeutsche Zeitung liest, läuft in kein Messer. Vorab informierten wir über den Tukur-Tatort unter der Überschrift: "Irre". Der Absender der Mail ans "Tatort-Forum", Akademiker hin oder her, ist nun einer, der es im Kreise seiner Lieben auch mal krachen lässt, immerhin nennt er sich "Pubsivater". Wir raten diesem robusten ARD-Fan, sich künftig an Kommissare zu halten, die keine Experimente machen, also zu Tatorten von Kerlen für Kerle. In der ARD-Familie kommen die aus Köln und Ludwigshafen.

Lobt man die Kommissarin Charlotte Lindholm aus Hannover, kriegt man Dresche. Lindholm wird von Maria Furtwängler gespielt, das ist die Frau des Münchners Verlegers Hubert Burda. Dieser Umstand provoziert Neidbegabte - vor allem aus der ekelerregenden deutschen Fernsehbranche - immer wieder zu froschgrüner Gesichtsfarbe und zum Ausspucken von Galle, wenn sie in die Bunte schauen.

Andererseits ist Charlotte Lindholm die beliebteste Kommissarin im Land. Und auch an dieser neuen Folge lässt sich ablesen, dass Maria Furtwängler ihre Sache schlicht sehr gut macht. Sie investigiert mit einer Eiswürfel-Erotik, die nicht aufgesetzt wirkt, sondern sozusagen im Spiel gespielt. Sie erscheint dabei unnahbar, ist aber nie unberührbar, und diese Groteske nährt eine stets schwebende Spannung.

An eine Wand gepinselt steht: "Fick Deinen Arsch"

So hat Maria Furtwängler einen Kumpel-, Schwester- und Freundinnentyp entwickelt, der lieber mal ein paar Töne zu wenig anschlägt. Gebrochen wird die Kommissarin seit einigen Folgen von einem Hallodri (Benjamin Sadler), der sie an der Sehnsuchtsnase herumführt, weshalb sie in Einsamkeitsverzweiflung neben dem Stofftier ihres Sohnes erwacht.

Inhaltlich dreht sich dieser Tatort um den Mord an einem No-Name sowie um dessen labile Witwe. Gefilmt ist das von Roland Suso Richter überraschenderweise in Form eines etwas Klaus-Lemke-haften Movies, was auch am Drehbuch des positiv verrückten Eoin Moore und der Co-Autorin Ulrike Molsen liegen dürfte. Die Bilder wirken digital, improvisiert, wie ein viraler Spot. Bis das Grauen in der zweiten Hälfte den Film dominiert, sorgt zudem die ganz herrliche Komödiantin Inka Friedrich als akkurate Land-Kommissarin für großen Witz.

An Bodenständigkeit mangelt es dem Film übrigens auch nicht. Wann in einem Tatort stand denn je an eine Wand gepinselt das hier: "Fick Deinen Arsch." Schönen Sonntag noch. Fazit, logisch: Ansehen.

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