"Tatort"-Kolumne Geht's auch mit etwas weniger Klamauk?

Irgendein Hobby braucht ja jeder: Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) beim Tangokurs.

(Foto: WDR/Martin Menke)

"Ein Fuß kommt selten allein" zeigt, dass der Witz im Münsteraner Tatort von der Kür längst zur Pflicht geworden ist.

Von Katharina Riehl

In diesem Tatort aus Münster gibt es eine Szene, die man wohlwollend selbstironisch nennen könnte, weniger wohlwollend vielleicht aber auch: selbstverliebt. Es ist im letzten Drittel des Films, Professor Boerne hat gerade eine Schwingtür ins Gesicht bekommen und bewirbt jetzt die Teilnahme an einem Speicheltest mit Jahrmarktsversen: "Kommen Sie her, kommen Sie ran, wer nicht mitmacht, ist kein Mann", posaunt Boerne. Und Kommissar Thiel, sein schlurfiger Gegenpart, erwidert: "Geht's auch mit etwas weniger Klamauk?"

Das alberne Gefrotzel lastet zentnerschwer auf dem Drehbuch

Der Tatort aus Münster ist der Klamauk-Tatort, und eine Weile lang war das ja auch ein neues Konzept und allein deshalb etwas Besonderes. Inzwischen aber lastet das alberne Gefrotzel zwischen dem Gerichtsmediziner-Snob Boerne (Jan Josef Liefers) und dem dicklichen Kommissar (Axel Prahl) zentnerschwer auf jedem Drehbuch. Der Witz ist in Münster von der Kür längst zur Pflicht geworden.

Zur immer gleichen Bauart dieser Filme gehört auch, dass bei den von Thiel und Boerne zu lösenden Kriminalfällen die heitere Nebenhandlung stets mit aller Gewalt an die Story genagelt werden muss. Diesmal (Buch: Stefan Cantz, Jan Hinter; Regie: Thomas Jauch) funktioniert das so: In einem Wald wird das Skelett einer Frau gefunden, von der sich bald herausstellt, dass sie eine moldawische Tänzerin war. Verdächtig sind diverse Kollegen aus der Tanzsportgemeinschaft Münster, die gerade um den Aufstieg kämpft. Gleichzeitig machen Professor Boerne und die Staatsanwältin Klemm (Mechthild Grossmann) in eben dieser Tanzschule einen Tangokurs, ihr Lehrer ist der in die Sache verstrickte Nobel-Orthopäde und Tanzvereinspräsident Dr. Steul (Thomas Heinze).

Fliegenpilze und Glitzeranzüge

Zufälle wie dieser sind im Münsteraner Krimikosmos immer berechenbar, und natürlich sucht Thiels Hippie-Vater (Claus D. Clausnitzer) dann auch ausgerechnet im Wald mit der Leiche nach bewusstseinserweiternden Fliegenpilzen und macht ermittlungsrelevante Entdeckungen. Das ist wie in den Neunzigerjahren beim Bullen von Tölz, da war es auch immer die Mama, die ihrem Sohnemann ganz zufällig die entscheidenden Hinweise mit dem Schweinebraten servierte.

Ganz zum Schluss tanzt Karl-Friedrich Boerne noch in einem Glitzeranzug zu "I will survive". Das ist übrigens kein Spoiler - auch mit dem Glitzeranzug hat man rechnen müssen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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