"Tatort"-Kolumne Eine Geschichte, größer als der Zufall

Franken-'Tatort - ´Das Recht, sich zu sorgen" ARCHIV - Die Schauspieler Fabian Hinrichs (r) in der Rolle des Hauptkommissars Felix Voss und Eli Wasserscheid in der Rolle der Kommissarin Wanda Goldwasser (l) bei Dreharbeiten des Franken-´Tatort" mit dem Titel ´Das Recht, sich zu sorgen" am 28.07.2015 bei Röthenbach an der Pegnitz (Bayern). Der neue ´Tatort" soll am 22.05.2016 in der ARD ausgestrahlt werden. Foto: Daniel Karmann/dpa (zu dpa-Korr ´Vollgepackter Franken-´Tatort" - Gleich drei Fälle für neues Team" vom 18.05.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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In "Das Recht, sich zu sorgen" müssen die Nürnberger Kommissare gleich zwei Fälle lösen. Als Zuschauer glaubt man ständig Dinge zu verstehen - tut es aber nur äußerst selten.

Von Katharina Riehl

Der zweite Tatort aus Franken beginnt mit blau-wässrigen Bildern, von denen man am Anfang des Films glücklicherweise noch nicht ahnt, was sie vermutlich darstellen. Und wenn man so will, liegt darin auch schon das Geheimnis dieses sehr feinen Films: Dass man als Zuschauer ständig Dinge zu verstehen glaubt, es in Wahrheit aber nur selten wirklich tut.

Die Kriminalpolizei aus Nürnberg wird (wahrscheinlich aus öffentlich-rechtlichen Regionalproporzgründen) wegen eines mysteriösen Falls nach Würzburg abkommandiert. Am dortigen Institut für Anatomie hat ein Doktorand einen Schädel gefunden, der nicht auf das Skelett passt, zu dem er eigentlich gehören sollte. Die Institutsleiterin (wie immer großartig: Sibylle Canonica) ruft also ihren alten Bekannten an, den Polizeipräsidenten aus Nürnberg, der sich bereit erklärt, seine Mordkommission nach Würzburg zu schicken, um sich den falschen Kopf mal ganz unverbindlich anzusehen.

Ein bisschen verdeckt ermitteln zwischen Leichen - und gleichzeitig klären Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Felix Voss (Fabian Hinrichs) noch den Mord an einer Gastwirtin auf.

Die beiden Kriminalfälle in diesem Tatort sind weder übermäßig spannend noch furchtbar unkonventionell erzählt - der Film unterscheidet sich vor allem dadurch, dass er sich an erzählerischen Verführungen sehr geschickt vorbeischleicht.

Mühelos und elegant

Beim Tatort in Münster zum Beispiel will der Zufall jedes Mal sehr viele sehr absurde Dinge vom Drehbuch, damit am Ende auch wirklich jede Figur ihren Teil zur Aufklärung beitragen konnte. In jeder Geschichte wird dort aus allen Strängen ein dicker, aber vor allem struppiger erzählerischer Zopf geflochten.

In "Das Recht, sich zu sorgen" (Buch: Beate Langmaack; Regie: Andreas Senn) werden die einzelnen Erzählungen ganz mühelos nebeneinandergelegt, lange wird elegant in der Schwebe gehalten, in welchem Zusammenhang sie alle zueinander stehen. Die Geschichte ist hier größer als der Zufall.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.