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Letzter Tatort des Saarbrücker Ermittlerduos:Abgang à la Amstetten

Im ihrem letzten Saarbrücken-Tatort müssen Kappl und Deininger tief hinunter. Die Fälle Kampusch und Fritzl werden hier verarbeitet, es sind Horror-Szenarien. Doch letztlich ist die Geschichte hohl. Die Saar-Ermittler hätten eigentlich einen anderen Abgang verdient gehabt.

Dieser Tatort ist wie ein Boxkampf. Wenn Blut spritzt und einer umfällt, denken die Leute: Das war ein großer Kampf. Die Leute schauen nicht so genau hin, darauf vertrauen die Boxmanager so sehr wie die Regieverantwortlichen dieser Episode. Die Fälle Kampusch und Fritzl werden hier verarbeitet, es geht um Frauen in Verließen. Die Inszenierung spart nicht mit Bildern von blutigen Mädchenbeinen, von Mädchengelenken in Ketten, von Mädchenfüßen auf blankem Boden. Alles wird beleuchtet von kaltblauem Licht, dazu: quietschende Türen, wispernde Münder. Die Frettchen im Käfig eines Verdächtigen knurren wie hungrige Hunde.

´Verschleppt" - Letzter Fall für SR-Tatort-Duo

Letzter Fall: Die Schauspieler Maximilian Brückner (links) als Kommissar Franz Kappl und Gregor Weber als Kommissar Stefan Deininger.

(Foto: dpa)

Es sieht aus wie im Horrorfilm, es klingt wie im Horrorfilm. Und wenn ein Mädchen, nach der Befreiung, sich im Krankenhaus auf ihrem Bett aufbäumt, erinnert das an Linda Blair in ihren schrecklichsten Momenten.

Aber was ist die Geschichte hinter der Geschichte? Was hier gezeigt und ausgemalt wird, hat es tatsächlich gegeben, in Amstetten und anderswo, da lebten Kinderfänger mitten unter anderen, aber keiner war da, der etwas gemerkt hätte, oder der etwas hätte merken wollen. Wie das geschehen kann, was geschieht, wäre ein Thema gewesen. Aber es ist kein Thema in diesem Film. Der Tatort spielt in der Unterwelt, aber ihm fehlt die Tiefe. Auf einmal taucht einer auf, er hat eine Aktentasche unter dem Arm und erklärt alles. Der Rest sind Bilder: Sie jagen einem für den Moment Schauer über den Rücken, sie nehmen einem für einen Moment den Atem. Aber das verliert sich.

Die Saar-Ermittler Kappl und Deininger hätten einen anderen Abschied verdient gehabt. Eine Geschichte, die die Zuschauer nicht dauernd anschreit, sondern sanft auf sie einredet. Eine gute Geschichte schafft, was dieser nicht gelingt: Sie folgt dem, der sie gehört hat.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.