Tatort Köln: "Wahre Liebe" Herzballons am Himmel

Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt): einer dieser Männer mit dem Schild um den Hals: Bin von den Frauen enttäuscht worden - suche Wärme.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Ballauf und Schenk ermitteln nach einem Mord in einer Partneragentur und verzweifeln an der Liebe. Der "Tatort" wird dabei zu einer gewöhnlichen Erzählung über Eifersucht und Rachelust. Thriller, Romanze, Buddy-Movie: Er ist von allem ein bisschen und nichts richtig.

Von Holger Gertz

Diese Kölner Episode erzählt - nachdem es im Tatort zuletzt öfter um Drohnen, pensionierte Drogenköche oder Arzneimittelfälschungen ging - eine einfachere Geschichte. Die Chefin einer Partneragentur ist tot, und während Ballauf und Schenk ermitteln, recherchieren sie in Sachen Liebe. Kommissare sind da die Richtigen: Es wird ja immer was gestohlen, wenn die Liebe zu wirken beginnt. Dem einen das Herz, der anderen etwas Zeit und allen auf jeden Fall die letzte Illusion.

Kalenderweisheiten und weinende Blätter

André Erkau (Regie) und Autor Maxim Leo holen das Poesiealbum aus der Kiste, Bilder wie Bonbons. Am Himmel stehen herzförmige Luftballons. "Woran liegt es, dass zwei Menschen miteinander glücklich sind, und warum gibt es so viele, denen das nicht gelingt?" fragt eine Stimme; die Liebe wird definiert, ersehnt, verklärt. Kommissar Schenk, der Pragmatiker, sagt: "Ich find's nicht unwichtig, dass meine Frau genauso gern wie ich beim Schlafen das Fenster offen hat."

"Geliebte, lass deinen Eispanzer in meinen Armen schmelzen", schreibt ein Liebender - wer es mit der Liebe hat, kommt um Kalenderweisheiten nicht herum. Ein Psychotherapeut sagt: "Menschen können sich Mühe geben. Aber zusammenpassen: Das tun nur Plastikbausteine." "Das ist total schlecht gereimt und unheimlich gefühlig", sagt Kommissar Ballauf, der ja alleine lebt und unheimlich gefühlig in die Kamera schaut, während "They're writing songs of love, but not for me" daruntergelegt wird, die offizielle Hymne der Verlassenen. Dazu fallen, in Zeitlupe, weinende Blätter vom Baum.

Westfälische Sozialtherapeutenrhetorik

Natürlich sind solche Szenen überzeichnet. Andererseits dreht sich der Plot um ein ja doch tieferes Thema, die Liebe, da bringt einen Überzeichnung nicht weiter. Vor allem, wenn die Überzeichnung zusammenprallt mit der westfälischen Sozialtherapeutenrhetorik des Ermittlers Ballauf, einer dieser Männer mit dem Schild um den Hals: Bin von den Frauen enttäuscht worden - suche Wärme. "Die ersten Treffen, die sind immer ganz toll. Die letzten Treffen, die sind fürchterlich", sagt er. Wäre er eine Frau, würde er Milva hören.

Wie Ballauf, so verzweifelt der gesamte Tatort mehr und mehr an der Liebe. Er wird zu einer gewöhnlichen Erzählung über Eifersucht und Rachelust. Eine Assistentin der Kommissare gerät in Not. Herzballons fliegen rum. Handschellen schaben an Eisenstäben. Herzballons fliegen immer noch rum. Der Film ist Thriller und Psychogramm und Romanze und Buddy-Movie, er ist von allem ein bisschen und nichts richtig. Einfache Geschichte wird großes Durcheinander: Das ist es ja, was die Liebe anrichtet.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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