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"Tatort" aus Köln:Sprung ins Schwimmbecken

Tatort: Der Tod der Anderen

Bettina Mai (Ulrike Krumbiegel) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) werden in diesem Tatort so etwas wie Komplizen.

(Foto: WDR/Thomas Kost/WDR/Thomas Kost)

Im Kölner "Tatort" bleibt der von Dietmar Bär gespielte Kommissar Schenk angenehm unberechenbar.

Von Theresa Hein

Der Film ist schon fast vorbei, da ruft Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) der Hotelbesitzerin Bettina Mai (Ulrike Krumbiegel) nach, sie möge doch vernünftig sein. Mai rennt da gerade mit einer Waffe in der Hand sehr zielstrebig auf ein Haus zu, und die Bitte Schenks scheint prinzipiell nicht verkehrt. Aber ausgerechnet aus seinem Mund wirkt der Ruf zur Vernunft in diesem Kölner Tatort unter der Regie von Torsten C. Fischer ziemlich komisch.

Schenk ist nämlich zuvor von jener Bettina Mai entführt worden und während seiner eigenen Entführung wird er kurzerhand vom Opfer zum Beinahe-Komplizen und fachsimpelt mit seiner Entführerin beim Abendessen über einen Mord in deren Hotel. Mehr von solchen sensiblen, ironischen Nuancen hätten dem Drehbuch von Wolfgang Stauch gutgetan. Möglich, dass den Zuschauern die ganz großen historischen Themen, die dieser Tatort noch bereithält - ehemalige DDR, Staatssicherheit, Chemieunfall Bitterfeld 1968 - dann besser bekommen würden.

Aber nach der kreativen Ausgangssituation verkommt die Aufklärung des Falles schnell zur klischeebehafteten Schulstunde. Dietmar Bär als Freddy Schenk bleibt angesichts des sich entfaltenden dramaturgischen Molochs ziemlich unberechenbar. Das ist schön, nicht zuletzt, weil Schenk durch diesen Kniff einen Großteil der Spannung trägt. Kollege Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) dagegen muss sich mit Mutmaßungen und einem unguten Gefühl zufriedengeben, was die junge Kollegin Natalie Förster (Tinka Fürst) einmal sehr treffend zusammenfasst ("Das ist Scheiße").

Bettina Mai, Protagonistin und Antagonistin zugleich in "Der Tod der Anderen", darf leider trotz des Spiels von Ulrike Krumbiegel nicht mehr sein als eine verhärtete Karikatur. Eine einzelne Träne rollt ihr über die Wange, als Freddy Schenk einmal von seiner Ehefrau erzählt - da wird sie dann natürlich doch weich, die Frau mit der Stasi-Vergangenheit, die stolz sagt, dass sie in ihrem Leben schon öfter in ein leeres Schwimmbecken gesprungen sei (Metapher!) und immer wieder rauskam.

Als Zuschauer fragt man sich derweil nur, ob sich Schenks Frau nicht wundert, wo ihr Mann eigentlich abgeblieben ist. Aber er hängt ja bloß in einer dieser Geschichtsstunden um 20.15 Uhr fest, mit viel Drama (am Schluss) und Reue (natürlich), einer Flasche Wein für 119 Euro und - hier wird's dann doch spannend - gleich mehreren Entführungsopfern.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

© SZ/tyc
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