"Tatort" Franken:Solo für Voss

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In Deckung: Felix Voss (Fabian Hinrichs) und die Schwester seiner Jugendliebe Toni, Eva Hentschel (Sina Martens). (Foto: Hendrik Heiden/dpa)

Der Kommissar aus Franken ermittelt in seiner eigenen Vergangenheit: Zwei Studienfreunde, darunter eine Jugendliebe sind tot. Gott sei Dank leidet er wohltuend leise.

Von Claudia Fromme

Tonis Grab ist an der Nordseite des Friedhofs. Man muss nicht dran vorbei, wenn man in die Kirche geht. Denn die Selbstmörder liegen im Abseits. Das Grab, die Kirche sind in der Oberpfalz, das ist nicht der Beritt von Kommissar Voss (Fabian Hinrichs). Hier geht es um private Dinge. Ein Studienfreund aus Berlin ist in dem Kaff Pfarrer, er lädt Voss überraschend zur Sonntagsmesse ein. Es soll darin um Toni gehen und die Art, wie sie starb. Sie war die dritte in der Freundesbande und die große Liebe von Voss. Dass sie seit zwei Wintern tot sein soll, ist ein Schock für ihn. Er wusste es nicht.

Zum "Hochamt für Toni", wie der Krimi heißt, kommt es nicht mehr: Der Pfarrer wird erstochen, zwei wertvolle Kreuze fehlen. Der Dorfpolizist wittert Raubmord. Sicher einer aus dem Jugendheim, die machen so etwas. Aus Tonis Familie sicher keiner. Die zahlen Unternehmenssteuern, die wohnen in einer schönen Villa, die nehmen ihr Abendessen an einer langen Tafel mit Kandelabern ein.

Voss bleibt sich treu: viel gucken, wenig reden, Schlüsse ziehen

Voss lässt sich nicht von dem Patriarchenpopanz beeindrucken, selbst als Tonis Vater das Ministerium einschaltet. Die Hütte, in der sich Toni selbst verbrannt haben soll, steht in Franken - Voss darf somit offiziell mit seiner Kollegin Ringelhahn (Dagmar Manzel) ermitteln, die diesmal aber in seinen Schatten tritt. Solo für Voss.

Funktioniert das, wieder so eine Privatgeschichte eines Ermittlers? Es funktioniert, weil Bernd Lange (Buch) und Michael Krummenacher (Regie) dafür Sorge tragen, dass es keine Privatgeschichtchen sind, die unlauter vor einen Fall treten. Die Mordermittlungen werden gerade durch die Freundschaft des Kommissars zu den zwei Toten vorangetrieben. Voss bleibt seiner Rolle treu: viel gucken, wenig reden, Schlüsse ziehen. In ihm sieht es anders aus: Flashbacks rasen durch den Kopf, wilde Zeiten am See, in den Clubs, und immer das Gesicht von Toni, der er seine Liebe nie gestand, um den Dreierbund nicht kaputt zu machen. Die zwei Geschwindigkeiten bilden das Gerüst für den Krimi, der Gegensatz schafft eine ganz eigene Spannung.

Voss leidet leise, der Patriarch entspricht polternd dem Klischee. Selbstmörder sind für ihn keine Kinder mehr, Töchter keine Firmenerben. Seine Söhne sind fiese Typen, aber vor dem Vater kuschen sie. Die Ehefrau soll die Klappe halten und im Wintergarten Ton kneten. Alles ein wenig zu dick mit Soße. Andererseits wirkt Voss durch die Klotzerei in seiner stillen Melancholie noch nahbarer. Und zehn Minuten vor Schluss ist sowieso alles anders. Unbedingt ansehen.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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