Tatort Frankfurt:Abgründe

Lesezeit: 1 min

Tatort Frankfurt: Abwarten: Nach diesem drögen Motto lösen Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) auch diesen Mordfall.

Abwarten: Nach diesem drögen Motto lösen Janneke (Margarita Broich) und Brix (Wolfram Koch) auch diesen Mordfall.

(Foto: HR/Degeto/Bettina Mueller)

Im neuen Fall aus Frankfurt gibt es keine Leiche, aber eine Familie, die nichts wahrhaben will. Janneke und Brix sitzen es aus - gute Entscheidung.

Von Claudia Fromme

Ein Mord ohne Leiche, eine Familie ohne Fehl. Eher ein seltener Fall, sowieso im Tatort, der nicht nur auf der dunklen Seite des Lebens spielt, sondern zunehmend auch Gesellschaftsseismograf sein will. Also bleiben Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) und Kollege Paul Brix (Wolfram Koch) dran, als zwar viel Blut im Frankfurter Stadtwald gefunden wird, aber kein Opfer.

Im Dunkeln startet dieser Krimi, der "Finsternis" heißt, und im Dunkeln endet er. Im Zentrum steht eine Familie, die hart daran arbeitet, normal zu wirken. Nach und nach torpediert das Sein den Schein, die erwachsenen Töchter sind entzweit, der Klassikerspruch fällt: "Du weißt doch gar nicht, was hier los ist!" Mittendrin steht Ulrich Gombrecht (großartig: Uwe Preuss), ein Berufsschullehrer kurz vor der Pensionierung, der nichts von Gendern hält und auch nichts davon, dass seine Frau Maria im Alter noch studieren will und gerade in den Pyrenäen fastenwandert. So war jedenfalls der Plan. Aber ihr Auto steht im Stadtwald, und das Blut stammt auch von ihr. Vater und Töchter sind sich dennoch sicher: Sie ist nicht tot, das hat sie schon oft gemacht, sich nicht zu melden, sie will einfach frei sein. Und überhaupt: Es gibt ja keine Leiche. Lebbe geht weida. Muss. Auch für den Patriarchen, der zwischendrin zur Chemo fährt: Leukämie.

Janneke und Brix forschen nach, gewohnt dröge, manche Dinge sitzen sie aus, was im Ermittlerberuf nicht verkehrt ist, diesem Krimi aber manche langatmige Momente beschert. Ihre abwartende Art kommt Janneke ermittlungstechnisch aber dann doch zupass, sie ist ja ausgebildete Psychologin und spürt, dass nicht nur eine Person in der Familie Gombrecht kurz vor der Kernschmelze ist. Das ist überhaupt das Besondere an diesem Film, bei dem Petra Lüschow das Buch geschrieben hat und auch Regie führt. Es liegt ja alles da, auf dem Tisch der Ermittler, es gibt wahnsinnig viele Videoaufzeichnungen, SMS, Fotos von allen Beteiligten. Am Ende löst sich sogar das Rätsel um die verschwundene Leiche. Aber der Schlüssel zum Mord ist die Seelenschau. Und die ist abgrundtief.

Ostermontag, Das Erste, 20.15 Uhr.

Weitere Serienempfehlungen finden Sie hier.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusChristian Tramitz im Porträt
:"Ich bin mehr fürs Trockene"

Christian Tramitz studierte Geige, schauspielern wollte er eigentlich nicht - doch dann traf er Michael "Bully" Herbig. Und seitdem läuft es ziemlich gut. Ein Treffen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB